SALZBURG JOURNAL

Die Geschichte Salzburgs: Von Iuvavum bis heute

Zweitausend Jahre in einer Linie - vom römischen Munizipium über ein geistliches Fürstentum, das bis 1803 souverän war, bis zur Landeshauptstadt mit 158.562 Hauptwohnsitzen. Das Ende der Eigenstaatlichkeit brauchte allein sechzehn Jahre und fünf Etappen.

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Die Geschichte Salzburgs: Von Iuvavum bis heute

Iuvavum

Die römische Siedlung entstand im frühen 1. Jahrhundert in der Salzach-Niederung zwischen den Stadtbergen. Ihren Rang kennen wir von Plinius: Er berichtet, dass Iuvavum zu den fünf Orten der Provinz Noricum gehörte, denen unter Kaiser Claudius (41 bis 54 n. Chr.) die Rechtsstellung eines Munizipiums zuerkannt wurde - nachzulesen in der Darstellung der Stadt Salzburg zur römischen Zeit. Zuvor lag hier bereits ein eisenzeitlicher Fürstensitz am Hellbrunner Berg.

171 zerstörten Markomannen und Quaden die Stadt. Um 470 wirkte der heilige Severin in Iuvavum, 488 zogen die Romanen ab; eine Restbevölkerung blieb am Festungs- und am Nonnberg. Der antike Name verschwand: An seine Stelle traten Salzach und Salzburg - benannt nach dem Produkt, das die Region tausend Jahre lang tragen sollte.

Rupert, und wie der Name entstand

Um 696 kam Bischof Rupert von Worms nach Salzburg und gründete das Kloster St. Peter; 713/15 folgte das Frauenkloster Nonnberg. 739 wurde Salzburg Bischofssitz, um 755 ist der deutsche Name erstmals belegt. Von 767 bis 774 entstand der Virgildom, geweiht am 24. September 774. 798 erhob Papst Leo III. auf Betreiben Karls des Großen den Bischof Arn zum Erzbischof und Metropoliten der bayerischen Kirchenprovinz; 803 war Karl der Große selbst in der Stadt.

Vom Bistum zum Staat

Der entscheidende weltliche Schritt fiel 996: Kaiser Otto III. verlieh dem Erzbischof Markt-, Münz- und Mautrecht. 1077 wird die Festung erstmals schriftlich erwähnt, Ende des 11. Jahrhunderts entsteht die erste Stadtmauer, 1120 verlegt Erzbischof Konrad I. seine Wohnung aus dem Kloster in einen eigenen Bischofshof - den Ursprung der Residenz. Von 1136 bis 1143 wird der Almkanalstollen durch den Mönchsberg getrieben.

Im 13. Jahrhundert löste sich Salzburg vom Mutterland Bayern, ab 1328 galt eine eigene Landesordnung, und etwa ab der Mitte des 14. Jahrhunderts führten die Erzbischöfe den Titel Fürsterzbischof - geistliches Oberhaupt und Landesfürst in einer Person. Wie dieses Amt funktionierte, wer es besetzte und welche Sonderrechte daran hingen, steht im Beitrag über die Fürsterzbischöfe.

Die Bürger gegen den Fürsten

Neben dem Erzbischof entwickelte sich eine zweite Macht, und die beiden lagen jahrhundertelang im Streit. Um 1100 entstanden die ältesten Statuten der Salzburger Bürgerzeche, 1100/20 werden erstmals Bürger genannt, um 1120 ein Stadtrichter. 1249 belegt das älteste Stadtsiegel eine organisierte Stadtgemeinde mit einem Patriziat als Oberschicht, und 1287 erließ Erzbischof Rudolf von Hohenegg mit dem sogenannten Sühnebrief das erste schriftliche Stadtrecht. Von 1370 bis 1374 amtierte Konrad Taufkind als erster namentlich bekannter Bürgermeister.

Der Konflikt eskalierte zweimal. 1403 schlossen Adel und Städte gegen den Erzbischof ein Schutzbündnis, den Igelbund. 1481 gewährte Kaiser Friedrich III. der Stadt im Ratsbrief das Recht der freien Ratswahl - und 1511 nahm Erzbischof Leonhard von Keutschach Bürgermeister und Stadtrat kurzerhand gefangen und erzwang den Verzicht auf genau dieses Recht. Damit war die kommunale Selbstverwaltung für Jahrhunderte erledigt; ein Gemeindestatut bekam Salzburg erst wieder 1869.

Das weiße Gold

Um 1185 wurde am Dürrnberg wieder Salz gewonnen. Die Erzbischöfe Adalbert II. und Eberhard II. machten Hallein durch Preispolitik zur führenden Saline des Ostalpenraums und sicherten sich mit der Kontrolle der Salzach den entscheidenden Absatzweg. Im 15. und 16. Jahrhundert produzierte Hallein 24.000 bis 30.000 Tonnen Salz pro Jahr. Wie daraus ein Staatseinkommen wurde und warum es 1611 zum Krieg mit Bayern kam, steht im Beitrag zum Salzhandel.

Reformation, Bauernkrieg, Vertreibung

Ab den 1520er Jahren verbreiteten sich die Lehren Luthers im Erzstift, getragen von Druckschriften und reisenden Bergknappen. 1525/26 erschütterte ein Bauernaufstand das Land. Danach hielt sich in den Gebirgsgauen zweihundert Jahre lang ein Geheimprotestantismus, den drei Ausweisungswellen nicht beendeten: 1588 aus der Stadt, 1684 bis 1686 aus dem Defereggental und vom Dürrnberg - und schließlich 1731/32, als über 20.000 Menschen das Land verlassen mussten. Die Einzelheiten stehen im Beitrag zur Protestantenvertreibung.

Der barocke Umbau

Zwischen 1587 und 1727 bekam Salzburg das Gesicht, das heute auf der Welterbeliste steht. Wolf Dietrich von Raitenau ließ nach dem Dombrand von 1598 die Ruine samt Domfriedhof und Bürgerhäusern abtragen und schuf damit den Residenzplatz; rund 70 Bauvorhaben gehen auf ihn zurück. Sein Nachfolger Markus Sittikus legte 1614 den Grundstein zum Dom, der 1628 unter Paris Lodron geweiht wurde.

Lodron gründete 1622 die Universität und ließ zwischen 1620 und 1646 die Befestigungen ausbauen, was Salzburg durch den Dreißigjährigen Krieg brachte. 1696 bis 1707 baute Johann Bernhard Fischer von Erlach die Kollegienkirche, 1764 bis 1766 wurde das Neutor durch den Mönchsberg getrieben - bis heute der älteste Straßentunnel Österreichs.

Das Ende in fünf Etappen

Die Auflösung des Erzstifts wird oft auf ein Jahr verkürzt. Tatsächlich zog sie sich über sechzehn Jahre, wie die Chronik des Stadtarchivs Jahr für Jahr festhält:

JahrWas geschah
1800Französische Truppen besetzen die Stadt, Fürsterzbischof Colloredo flieht, Kunstschätze werden außer Landes gebracht
1803Säkularisierung. Salzburg wird gemeinsam mit Passau, Eichstätt und Berchtesgaden zum Kurfürstentum Salzburg unter Ferdinand von Toskana
1805Ende der Eigenstaatlichkeit und erste Angliederung an Österreich; die Stadt verliert ihre Residenzfunktion
1809/10französische Verwaltung
1810 bis 1816bayerische Verwaltung; 1810 wird die Universität aufgehoben, 1811 der Magistrat aufgelöst
1816Salzburg kommt endgültig zu Österreich - und wird zur Kreisstadt degradiert

Wer eine dieser Jahreszahlen für „das Ende" hält, hat je nach Blickwinkel recht oder unrecht: 1803 endete die geistliche Herrschaft, 1805 die Staatlichkeit, 1816 die Zugehörigkeitsfrage.

Das 19. Jahrhundert: aus der Residenz wird eine Provinzstadt

Die Jahrzehnte nach 1816 waren Abstieg und Neuanfang zugleich. 1816/17 herrschte Hungersnot, 1818 brannte ein großer Teil der Stadt. 1849 wurde Salzburg kurzzeitig Kronland, 1852 begann die Salzachverbauung, 1855 entstand das Gaswerk in Lehen.

Den Wendepunkt brachte die Eisenbahn: 1860 erreichte die Kaiserin-Elisabeth-Westbahn die Stadt und eröffnete den Bahnhof. Im selben Jahr entfiel der Festungscharakter der Stadt, 1866 schenkte Kaiser Franz Josef der Kommune die Befestigungsanlagen, und die Gründerzeit füllte den Raum zwischen Altstadt und Wällen. 1861 fanden die ersten freien Landtagswahlen statt, 1869 erhielt Salzburg ein Gemeindestatut als Landeshauptstadt. 1892 nahm die Festungsbahn den Betrieb auf, 1895 fuhr das erste Auto durch die Stadt. Woher die Namen der Viertel stammen, die damals entstanden, steht im Beitrag zu den Stadtteilen.

Katastrophen, die die Stadt geprägt haben

Drei Ereignisse haben den Stadtgrundriss stärker verändert als mancher Bauherr. 1167 brandschatzten Anhänger Kaiser Friedrich Barbarossas die Stadt und zerstörten dabei den romanischen Dom - der Neubau Konrads III. entstand zwischen 1181 und 1198. 1598 brannte dieser Nachfolgebau, was den barocken Umbau auslöste. Und in der Nacht auf den 16. Juli 1669 brach ein Teil des Mönchsbergs ab; der Bergsturz im Gstättenviertel forderte rund 220 Tote und zerstörte zwei Kirchen sowie etwa ein Dutzend Häuser. Aus dieser Katastrophe entstand der Berufsstand der Bergputzer, der bis heute existiert.

Dazu kamen wiederkehrende Hungersnöte - 1770 bis 1772, 1816/17 und 1847/48 - sowie 1818 ein großer Stadtbrand und im 19. Jahrhundert mehrere Epidemien: Cholera 1830/31 und 1873, Typhus 1865, Pocken 1881/82.

1920: die Festspiele

Am 22. August 1920 wurde auf dem Domplatz erstmals der Jedermann gespielt - eine Notlösung, aus der das prägende Kulturereignis der Stadt wurde. Gründung, Krisen und Umbauten stehen im Beitrag zur Geschichte der Festspiele.

1938 bis 1945

Am 11. März 1938 besetzte die SA das Rathaus. Es folgten die Entmachtung der Gemeindevertretung, die Verfolgung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung, das Lager für Roma und Sinti in Maxglan und schließlich, ab dem 16. Oktober 1944, fünfzehn Luftangriffe mit über 9.000 Bomben, rund 550 Toten und 15.000 Obdachlosen. Am 4. Mai 1945 wurde die Stadt kampflos übergeben. Der Ablauf steht im Beitrag zu Salzburg im Zweiten Weltkrieg.

1945 bis 1955

Salzburg wurde amerikanische Besatzungszone. Im Herbst 1945 standen für rund 110.000 Menschen nur 30.000 winterfeste Wohnräume zur Verfügung, gleichzeitig lebten über 66.000 Displaced Persons in mehr als fünfzehn Lagern im Stadtgebiet. Am 3. Oktober 1955 fuhr der letzte US-Oberkommandierende ab. Was in diesen zehn Jahren geschah, steht im Beitrag zu Salzburg nach 1945; die Tagesereignisse selbst sind in der Chronik der Stadt Salzburg 1945 bis 1955 festgehalten.

Von 1955 bis heute

Die Nachkriegsjahrzehnte brachten drei Entwicklungen, die das heutige Salzburg bestimmen.

Erstens der Kulturbetrieb. Am 26. Juli 1960 wurde das Große Festspielhaus eröffnet, für dessen Bau 55.000 Kubikmeter Fels aus dem Mönchsberg gesprengt worden waren.

Zweitens die Universität. 1962 beschloss der Nationalrat die Wiedererrichtung, 1964 begann der Lehrbetrieb - 152 Jahre nach der Aufhebung von 1810. Damit bekam auch die Kollegienkirche ihre ursprüngliche Funktion zurück.

Drittens der Denkmalschutz. Gegen die Bauspekulation der 1960er Jahre setzten Bürgerschaft und Stadtpolitik 1967 das Salzburger Altstadterhaltungsgesetz durch, das erste seiner Art in Österreich. Es war später einer der Gründe, warum die Altstadt im Dezember 1996 als erste österreichische Stadt auf die Welterbeliste kam. Kernzone, Pufferzone und die Regeln dahinter stehen im Beitrag zum Welterbe.

Am 1. August 2026 hatten nach der Bevölkerungsstatistik der Stadt 158.562 Personen in Salzburg ihren Hauptwohnsitz, davon 82.139 Frauen und 76.423 Männer; dazu kamen 18.548 Nebenwohnsitze. Zum Vergleich: Am 28. Februar 1946 waren es 86.284 ständige Einwohner.

Was von den einzelnen Epochen noch zu sehen ist

Vom römischen Iuvavum blieben Bodenfunde - unter anderem ein 1841 am Mozartplatz entdecktes Mosaik. Aus der Zeit der Fürsterzbischöfe stehen Dom, Residenz, Kollegienkirche und die Wehranlagen auf den Stadtbergen; welche Tore und Mauerreste davon konkret erhalten sind, listet der Beitrag zur Stadtbefestigung. Vom Salzwesen blieb der Name der Stadt und ein Bergwerk, das 1989 schloss. Und von den Berufen, die aus all dem hervorgingen, hat einer bis heute überlebt: die Bergputzer, die den Fels über der Altstadt sichern, seit 1574 urkundlich belegt.

Stand August 2026. Chronologie nach der Chronik der Stadt Salzburg (Archiv der Stadt Salzburg) und dem Historischen Atlas der Stadt Salzburg; römische Zeit nach der Darstellung der Stadt Salzburg; Bevölkerungszahlen nach der Abteilung Stadtarchiv und Statistik der Stadt Salzburg, Stichtag 1. August 2026. Die Einzelnachweise zu den hier zusammengefassten Abschnitten stehen in den jeweils verlinkten Beiträgen.

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