Die Universität Salzburg: Porträt der Paris-Lodron-Universität
Gegründet 1622, aufgehoben 1810, wiedererrichtet 1962 - dazwischen liegen 152 Jahre ohne Universität. Heute studieren rund 18.000 Menschen aus 130 Ländern an sechs Fakultäten, verteilt auf 25 Gebäude in der ganzen Stadt.
Vier Jahrhunderte, davon 152 Jahre Pause
Am 4. Oktober 1622 gründete Fürsterzbischof Paris Graf von Lodron die Universität, am 8. Oktober wurde sie nach Erhalt des kaiserlichen Privilegs feierlich errichtet. Betrieben wurde sie von den Benediktinern, weshalb sie über anderthalb Jahrhunderte als Benediktineruniversität firmierte.
Das Ende kam mit der Politik. Als Salzburg 1810 an Bayern fiel, wurde die Universität aufgehoben und zu einem Lyzeum beziehungsweise Gymnasium herabgestuft. Erst 1962 beschloss der Nationalrat die Wiedererrichtung unter dem Namen Alma Mater Paridiana, der Lehrbetrieb begann zwei Jahre später, also 1964. Zwischen Aufhebung und Wiedergründung liegen damit 152 Jahre, in denen Salzburg keine Universität hatte - ein Bruch, der in der österreichischen Universitätslandschaft ohne Parallele ist.
2022 feierte die Universität ihr 400-Jahr-Jubiläum und ordnete sich im selben Jahr strukturell neu: aus vier Fakultäten wurden sechs. Die Details zur Gründungsgeschichte stehen im Jubiläumsbereich der Universität.
Sechs Fakultäten, 34 Fachbereiche
| Fakultät | Kürzel | Fachbereiche |
|---|---|---|
| Digitale und Analytische Wissenschaften | DAS | 4 |
| Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät | GW | 6 |
| Katholisch-Theologische Fakultät | KTH | 4 |
| Kulturwissenschaftliche Fakultät | KW | 7 |
| Natur- und Lebenswissenschaftliche Fakultät | NLW | 6 |
| Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät | RWW | 7 |
Zusammen ergeben die sechs Fakultäten laut Fakultätsübersicht der Universität 34 Fachbereiche und rund 90 Studien von Bachelor bis Doktorat. Dazu kommt die School of Education als eigene Einrichtung für die Lehramtsausbildung, die quer über mehrere Fakultäten arbeitet.
Die Fakultät für Digitale und Analytische Wissenschaften ist die jüngste der sechs und der sichtbarste Teil der Reform von 2022: Informatik, Mathematik und Datenwissenschaften wurden aus der naturwissenschaftlichen Fakultät herausgelöst und zu einer eigenen Einheit gebündelt.
Der Campus liegt über die ganze Stadt verteilt
Wer aus einer Stadt mit geschlossenem Campus kommt, muss in Salzburg umdenken. Die Universität verteilt sich auf rund 25 Gebäude, viele davon in der Altstadt. Vier Schwerpunkte lassen sich unterscheiden:
| Standort | Was dort liegt |
|---|---|
| Altstadt, Kapitelgasse | Zentrale Verwaltung, Teile der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften |
| Alte Universität, Hofstallgasse | Katholisch-Theologische Fakultät, Hauptbibliothek |
| Alte Residenz und Rudolfskai 42 | Fachbereiche aus Recht, Wirtschaft und Gesellschaftswissenschaften |
| Unipark Nonntal | Kulturwissenschaftliche Fakultät, über 5.500 Studierende |
| Freisaal, Hellbrunner Straße | Natur- und Lebenswissenschaften, Botanischer Garten |
| Techno-Z Itzling | neuere Einrichtungen, Labore und Werkstätten |
| Schloss Rif in Hallein | Sport- und Bewegungswissenschaft |
Praktisch heißt das: Zwischen Unipark und Freisaal liegen gut zwei Kilometer, zwischen Altstadt und Itzling eine Obusfahrt, und Schloss Rif liegt nicht einmal mehr im Stadtgebiet. Wer ein Fach studiert, das an mehreren Standorten unterrichtet wird, sollte beim Zusammenstellen des Stundenplans auf die Wegzeiten achten - eine halbe Stunde zwischen zwei Lehrveranstaltungen ist in Salzburg keine Sicherheitsreserve, sondern das Minimum.
Der Unipark Nonntal, 2011 eröffnet, ist der einzige Ort, der einem klassischen Campus nahekommt: ein Haus, in dem Hörsäle, Bibliothek, Mensa und Aufenthaltsflächen zusammenliegen. Für die Kulturwissenschaften ist er der Mittelpunkt des Studiums.
Der Teil des Campus, den auch Nicht-Studierende betreten
Am Standort Freisaal, Hellbrunner Straße 34, liegt der Botanische Garten der Universität: rund ein Hektar mit etwa 650 Pflanzenarten aus Alpen, Mooren und Gewässern, dazu ein Alpinum, Hoch- und Niedermoor, Trockenrasen und ein Rosengarten. Er dient Forschung und Lehre, ist aber öffentlich zugänglich, und der Eintritt ist frei. Geöffnet ist er von April bis Oktober.
Auf demselben Gelände liegt der Salzburger Apotheker-Kräutergarten. Für ihn hat die Apothekerkammer 2026 kostenlose Führungen angesetzt: dienstags von 9. Juni bis 11. August jeweils von 18.30 bis 20.30 Uhr, dazu zwei Sonntagstermine am 14. Juni und 5. Juli von 10 bis 12 Uhr, Treffpunkt jeweils am Eingang Hellbrunner Straße 34.
Die Zahlen hinter dem Betrieb
Rund 18.000 Studierende aus 130 Ländern sind an der Universität inskribiert, betreut von etwa 2.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Damit ist die Universität die größte Bildungseinrichtung des Bundeslandes und zugleich einer der größten Arbeitgeber der Region.
Forschungsseitig konzentriert sich die Universität auf drei Zentren, die als Schwerpunkte geführt werden:
- Center for Tumor Biology and Immunology (CTBI) - das größte der drei, mit Fokus auf Tumorbiologie, Immunologie und deren Anwendung in der Krebsforschung.
- Centre for Cognitive Neuroscience (CCNS) - kognitive Neurowissenschaften, betrieben gemeinsam mit dem Uniklinikum Salzburg der Salzburger Landeskliniken.
- Salzburg Centre of European Union Studies (SCEUS) - interdisziplinäre Europaforschung und -lehre.
Die Kooperation mit den Landeskliniken beim CCNS zeigt die Arbeitsteilung im Salzburger Hochschulwesen: Die medizinische Ausbildung selbst liegt nicht bei der PLUS, sondern bei der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, die im Beitrag zu den Salzburger Hochschulen eingeordnet ist.
Wer hineinkommt, und wo es eng wird
Für die meisten der rund 90 Studien gilt freier Zugang: Matura oder ein gleichwertiger Abschluss genügt, dazu die fristgerechte Zulassung und Inskription. Aufnahmeverfahren gibt es nur in einzelnen Fächern - und wo es sie gibt, sind sie ernst zu nehmen.
Das Bachelorstudium Psychologie ist der Härtefall. Für das Studienjahr 2026/27 lief die Registrierung vom 2. März bis 30. April 2026, die Aufnahmeprüfung fand am 14. Juli 2026 statt. 682 Personen haben sich gültig registriert. Im Jahr davor erhielten laut Darstellung des Fachbereichs die ersten 200 im Ranking einen Zulassungsplatz, acht weitere rückten über die Warteliste nach. Nachmeldungen sind ausgeschlossen - wer die Aprilfrist versäumt, verliert ein Jahr.
Umgekehrt gibt es auch Entwarnungen: Für die Kommunikationswissenschaft wurde das Aufnahmeverfahren mit dem Studienjahr 2019/20 abgeschafft. Dort genügt seither die allgemeine Hochschulreife.
Was das Studium kostet
| Position | Betrag pro Semester | Wer zahlt |
|---|---|---|
| ÖH-Beitrag | 26,20 € | alle Studierenden, ausnahmslos |
| Studienbeitrag | 363,36 € | ab Überschreitung der Regelstudienzeit um mehr als zwei Semester sowie Drittstaatsangehörige |
| Uni 55-PLUS je Semester | 388,56 € | außerordentliche Hörerinnen und Hörer ab 55 |
Vom ÖH-Beitrag gehen 70 Cent in die Unfall- und Haftpflichtversicherung der Hochschülerschaft, der Rest wird zu 13 Prozent an die Bundesvertretung und zu 87 Prozent an die Hochschulvertretung ausgeschüttet - eine Krankenversicherung ist damit ausdrücklich nicht verbunden. Der Betrag steigt jedes Studienjahr mit der Inflation.
Beim Studienbeitrag ist die Toleranzregel der entscheidende Punkt: Bachelor-, Master- und Doktoratsstudien haben über das gesamte Studium zwei Toleranzsemester, Diplomstudien zwei je Abschnitt. Wer darüber hinauskommt, zahlt ab dann jedes Semester. Die Fristen nennt die Universität mit dem 31. Oktober für das Winter- und dem 31. März für das Sommersemester; Ratenzahlung ist nicht möglich, und eine Überweisung kann bis zu fünf Werktage brauchen. Wer bereits an einer anderen österreichischen Universität gezahlt hat, meldet das der Zulassungsstelle, statt ein zweites Mal zu überweisen. Die Details stehen in der Gebührenübersicht der Universität, die allgemeine Rechtslage auf oesterreich.gv.at.
Ein eigener Weg führt an der Matura vorbei: Beim Programm Uni 55-PLUS genügt ein Mindestalter von 55 Jahren, ein Schulabschluss ist nicht nötig. Wer teilnimmt, wird als außerordentliche Hörerin oder außerordentlicher Hörer geführt und zahlt derzeit 388,56 Euro pro Semester inklusive ÖH-Beitrag, zahlbar bis 31. Oktober beziehungsweise 31. März. Für Teilnehmende mit geringem Einkommen gibt es einen Sozialfonds, aus dem die Gebühr auf Antrag zur Hälfte oder ganz rückerstattet werden kann; der ÖH-Beitrag ist davon ausgenommen.
Was 18.000 Studierende für eine Stadt bedeuten
Salzburg zählt 158.562 Hauptwohnsitze. Die rund 18.000 Studierenden der Universität entsprechen damit rechnerisch 11,4 Prozent der gemeldeten Bevölkerung, mit dem wissenschaftlichen Personal sind es 12,6 Prozent - und die Studierenden von Mozarteum, Fachhochschule und Paracelsus-Universität sind dabei noch nicht mitgezählt. Nicht alle davon haben ihren Hauptwohnsitz in der Stadt; der Anteil der Pendlerinnen und Pendler aus dem Flachgau, dem Tennengau und aus Bayern ist erheblich.
Zwei Folgen sind im Alltag spürbar. Die erste ist der Wohnungsmarkt: Jeder Oktober bringt eine Nachfragespitze, die auf ein ohnehin knappes Angebot trifft - was der Beitrag zum Wohnungsmieten in Salzburg in Zahlen fasst. Die zweite ist der Rhythmus der Stadt: Zwischen Anfang Juli und Anfang Oktober fehlen dem Lehen, dem Nonntal und der Altstadt spürbar Leute, und ein Teil der Gastronomie stellt in dieser Zeit auf Touristen um.
Das Kürzel PLUS, das die Universität seit einigen Jahren im Namen führt, steht dabei schlicht für Paris Lodron Universität Salzburg - es taucht in Adressen, im Studienverwaltungssystem PLUSonline und in Gebäudebezeichnungen auf und ist keine Marketingerfindung ohne Bezug, sondern der abgekürzte Gründername.
Wer die Universität leitet
An der Spitze steht Rektor Bernhard Fügenschuh. Dazu kommen vier Vizerektorate, unter anderem für Personal, geführt von Univ.-Prof. Mag. Dr. Elias Felten, sowie für Forschung, für Lehre und Studierende und für Finanzen und Ressourcen. Die Funktionsperiode des Rektorats dauert vier Jahre.
Wo Sie zwischen Vorlesungen sitzen, essen und arbeiten können, steht in den Beiträgen zu den Bibliotheken und den Mensen in Salzburg; die Wege zum ersten Semester behandelt der Beitrag zum Studienbeginn in Salzburg.
Stand August 2026. Zahlen zu Studierenden, Fakultäten und Forschungsschwerpunkten nach den Angaben der Universität Salzburg, Beiträge nach oesterreich.gv.at und der Österreichischen Hochschülerschaft, Aufnahmeverfahren nach dem Fachbereich Psychologie. Studierendenzahlen und Beiträge ändern sich jährlich - vor einer Bewerbung den aktuellen Stand prüfen.