SALZBURG JOURNAL

Das weiße Gold: Wie der Salzhandel Salzburg reich machte

Die Erzbischöfe verdankten ihren Reichtum nicht dem Bergwerk, sondern dem Fluss. Wer die Salzach kontrollierte, kontrollierte den Absatz der ganzen Region - und konnte der bayerischen Konkurrenz vorschreiben, wie viel sie ausführen durfte.

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Das weiße Gold: Wie der Salzhandel Salzburg reich machte

Warum Salz so viel wert war

Salz war jahrtausendelang das wichtigste und praktisch einzige Konservierungsmittel. Fleisch und Fisch wurden eingepökelt, Käse gesalzen, Leder gegerbt, Vieh mit Salz versorgt. Wer keinen Zugang zu Salz hatte, konnte den Winter nicht planen. Der Salzburger Historiker Heinz Dopsch hat den Zusammenhang in einem Aufsatz für die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in einen Satz gebracht, der die Namen erklärt: Weder der Fluss, der in römischer Zeit Ivarus und Igonta hieß, noch die Stadt Iuvavum behielten ihre antiken Namen - an ihre Stelle traten Salzach und Salzburg. Die Chronologie und die Zahlen dieses Beitrags folgen weitgehend seiner Darstellung „Inn-Salzach. Ein Flußsystem macht Geschichte".

Der deutsche Name der Stadt ist erstmals um 755 belegt, wie die Chronik des Stadtarchivs festhält. Das Salz war da schon lange ein Geschäft.

Die Kelten und ein Goldschiffchen aus Grab 44

Auf dem Dürrnberg bei Hallein bauten die Kelten Salz im Trockenabbau ab, und ihr Reichtum spiegelt sich bis heute im Fundmaterial der Fürstengräber. Ein einzelnes Stück beweist dabei mehr als alle anderen: Im keltischen Gräberfeld wurde in Grab Nummer 44 ein Goldschiffchen als Votivgabe geborgen, das Archäologen ins 4. Jahrhundert vor Christus datieren. Der Schluss liegt nahe, dass das Dürrnberger Salz schon damals auf Schiffen die Salzach abwärts ging.

Die eisenzeitlichen Funde vom Dürrnberg liegen heute im Keltenmuseum Hallein, das die Kombination aus Gräberfeldern, Siedlungsflächen und Salzbergbau an einem Ort als europaweit einmalig führt. Wer das Bergwerk selbst sehen will, findet die praktischen Angaben im Beitrag zu den Salzwelten Hallein.

Danach riss der Faden. Die prähistorische Salzproduktion am Dürrnberg und im oberösterreichischen Hallstatt erlosch, und seit der Römerzeit hatten die Quellsalinen von Reichenhall die Monopolstellung im Ostalpenraum. Wie alt der Salztransport auf dem Wasser ist, zeigt die Zollordnung von Raffelstetten an der Donau: Sie nennt um 905 genormte Salzschiffe mit je drei Mann Besatzung, die Reichenhaller Salz über Salzach, Inn und Donau bis nach Pannonien und Bulgarien führten.

Wie Salzburg das Reichenhaller Monopol brach

Um 1185 wurde am Dürrnberg und im benachbarten Berchtesgaden wieder Salz gewonnen. Was daraus wurde, war das Ergebnis einer bemerkenswert modernen Wirtschaftspolitik zweier Erzbischöfe: Adalbert II. (1183 bis 1200) und Eberhard II. (1200 bis 1246).

Eberhard II. unterbot auf den wichtigen Märkten zunächst den Preis des Reichenhaller Salzes - Dumping, mit einem Wort, das es damals nicht gab. Als die Vorherrschaft des Halleiner Salzes gesichert war, verfügte er eine Produktionsbeschränkung und trieb den Preis wieder hinauf. Der Ortsname trägt die Konkurrenz bis heute im Wortlaut: Hallein, von lateinisch Haellinum, ist die Verkleinerungsform zu Hall, was so viel wie Salz bedeutet - das „kleine Hall" gegenüber dem alten „reichen Hall".

Die Sole kam vom Dürrnberg in Holzleitungen ins Tal und wurde am Salzachufer in großen Pfannen versotten. Der Tourismusverband der Stadt fasst in seiner Ortsgeschichte zusammen, was daraus wurde: Unter den Fürsterzbischöfen erreichte die Produktion Spitzenwerte, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder übertroffen wurden, und das Salz bildete über Jahrhunderte die Grundlage für den Reichtum der Erzbischöfe.

Der eigentliche Trumpf war der Fluss

Hier liegt der Punkt, den man leicht übersieht: Die Dominanz des Halleiner Salzes beruhte nicht in erster Linie auf dem Bergwerk, sondern auf der Beherrschung des Wasserwegs. Seit dem späteren Mittelalter strömte die Salzach bis über Tittmoning hinaus durch Salzburger Gebiet. Reichenhall und Berchtesgaden waren für ihren Export ebenfalls auf den Fluss angewiesen - und die Erzbischöfe konnten deren Ausfuhr nach eigenem Gutdünken kontingentieren. Der Anteil der Berchtesgadener Saline Schellenberg wurde im 14. Jahrhundert auf 20 Prozent des Halleiner Salzes festgesetzt und später weiter eingeschränkt.

Die rechtliche Grundlage dafür war alt. Bereits 996 verlieh Kaiser Otto III. dem Erzbischof das Markt-, Münz- und Mautrecht. Wer Markt, Münze und Maut in einer Hand hält und dazu den einzigen brauchbaren Transportweg kontrolliert, braucht keine Armee, um einen Wirtschaftsraum zu beherrschen.

Wie ein Salzschiff fuhr

Das Salz wurde in gebauchte Holzfässchen gefüllt, die Kufen hießen und knapp 73 Kilogramm wogen. Etwas leichter gefüllte Kufen, die nach Burghausen gingen und von dort über Land weitertransportiert wurden, hießen Scheiben.

Die Flussstrecke war in zwei Abschnitte geteilt, und das war keine Formalität, sondern eine Zuständigkeitsgrenze:

  • „Obenher" - von Hallein bis Laufen, unter Kontrolle der Ausfergen.
  • „Untenhin" - von Laufen über Burghausen bis Passau, geführt von den Naufergen.

Der Grund für den Bruch in Laufen lag im Flussbett. Dort bildete der „Nocken", ein Konglomeratriff in der Flussrinne, ein gefährliches Hindernis. Schiffe wurden teilweise entladen - „geleichtert" - und vom rechten Ufer in Oberndorf aus mit Seilen um das Riff geführt. Auf dem Nocken waren Markierungen angebracht; er war zugleich der wichtigste Messpunkt für den Wasserstand. War er überspült, ruhte die Schifffahrt wegen Hochwassers, war der Pegel im Herbst zu tief, fuhr ebenfalls nichts. Erst 1773 wurde der Nocken gesprengt - und damit verschwand genau jene Stromschnelle, die Laufen erst zum Zentrum der Salzschifffahrt gemacht hatte.

Schiffherren, Ausfergen, Fertiger

Für ein derart lukratives Geschäft schufen die Erzbischöfe früh ein eigenes Ämterwesen. Mit dem Schiffherrnprivileg von 1267 übertrug Erzbischof Wlodizlaus insgesamt 27 Laufener Bürgern Schiffrechte; jeder Schiffherr durfte zwei größere Schiffe - Aschen beziehungsweise Hallaschen - und einen kleineren Sechser besitzen. Diese Schiffherren bildeten in Laufen ein regelrechtes Patriziat adeliger Unternehmer. Im späten 14. und frühen 15. Jahrhundert kauften die Erzbischöfe die Schiffrechte zurück; die Vermietung der Salzschiffe wurde damit erzbischöfliches Monopol.

Die Ausfergenordnung von 1278 unter Erzbischof Friedrich II. von Walchen übertrug die Führung der Salzschiffe an 40 Einwohner von Laufen. Die Ausfergen waren damit erzbischöfliche Beamte - fuhren aber seit dem Spätmittelalter nicht mehr selbst mit, sondern entwickelten sich zu einer Gruppe reicher Unternehmer. 1532 regelte Kardinal Matthäus Lang das Ausfergenamt neu: Es blieben nur noch vier adelige Familien übrig, die aus der Salzschifffahrt Einkünfte bezogen, ohne aktiv daran beteiligt zu sein.

Der Handel selbst lag bis ins 16. Jahrhundert bei den Fertigern, freien Unternehmern in Hallein, Laufen, Burghausen, Obernberg und Passau, die auf eigene Rechnung und eigenes Risiko arbeiteten. Im 16. Jahrhundert wurden sie von den bayerischen Herzögen aus dem Geschäft gedrängt.

Die Zahlen der Saline Hallein

ZeitraumProduktion pro Jahrdavon über die SalzachSchiffe
15. und 16. Jahrhundert24.000 bis 30.000 Tonnen16.000 bis 20.000 Tonnen1.300 bis 1.800 ab Hallein
1590 (Spitzenwert)39.200 Tonnen32.870 Tonnen2.260 Ladungen
1860-17.468 Tonnen-
1862-5.000 Tonnen-
1871 (letztes Jahr)-1.172 Tonnen-

Rechnet man die Schiffe hinzu, die vom Berchtesgadener Salzstadel in Rif bei Hallein oder von der Stadt Salzburg abfuhren, passierten im 15. und 16. Jahrhundert jährlich 3.000 bis 3.500 Schiffe die Stadt Laufen. Das ist, über die eisfreien Monate gerechnet, ein Dauerbetrieb.

Der Gegenzug: flussaufwärts mit Muskelkraft

Flussabwärts trug die Strömung. Zurück ging es anders. Der Gegenzug, seit dem 12. Jahrhundert bezeugt, erfolgte bis ins Spätmittelalter durch Menschenkraft: Die leeren Schiffe wurden vom Ufer aus flussaufwärts gezogen. Eine bekannte Darstellung aus dem Zechbuch der Passauer Schiffleute von 1422 zeigt genau das, mit der Inschrift „Hin wider gen Lawffen".

Dass es dabei nicht nur um Technik ging, zeigt ein Verbot: Noch 1426 war auf der Strecke von Laufen nach Hallein der Einsatz von Pferden ausdrücklich untersagt, „damit sich die armen Leute zu Laufen ernähren mögen und die Städte gefördert werden". Der Gegenzug war Sozialpolitik. Erst ab dem 15. Jahrhundert setzte man auch an der Salzach Pferde ein; bei Neuburg am Inn und Burghausen blieb es wegen des schwierigen Ufergeländes bei Menschenkraft. Nördlich von Schärding wurden zur Überwindung der Prammündung jeweils vier Zusatzpferde angemietet, und ab Tittmoning lösten Salzburger Bauern und Knechte die bayerischen Pferde und Treiber ab.

Die Fahrt von Laufen nach Passau und zurück - rund 200 Kilometer - schaffte man im 15. Jahrhundert in weniger als vierzehn Tagen. Voraus fuhren Fürfahrer auf „Wasserseherzillen" und markierten mit eingeschlagenen Stöcken die richtige Fahrrinne, weil die zahlreichen Untiefen unterhalb von Laufen als besonders gefährlich galten.

Wohin das Salz ging

Wichtigster Zielhafen war Passau. Von dort ging das Salz zu Schiff donauaufwärts bis Regensburg oder donauabwärts zu den Märkten in Linz, Stein, Mautern, Korneuburg und Wien. Das größte Kontingent verließ den Fluss aber wieder: Es ging auf dem Landweg über den Goldenen Steig nach Böhmen, ins westliche Mähren und bis nach Schlesien.

Eine einzige Schiffergemeinde konnte sich als Konkurrenz behaupten: die Nauflezer von Obernberg unter dem Schutz der Passauer Bischöfe. Bischof Urban von Passau setzte ihre Zahl 1583 auf 32 bis 34 fest; sie luden das Salz auf ihre größeren Schiffe, die „Obernpergerin" hießen, und führten es nach Passau.

Der Salzkrieg mit Bayern

Unter Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, der die Einkünfte aus dem Salzhandel steigern wollte, kam es zu einem förmlichen Salzkrieg mit Bayern. 1590 erreichte die Saline Hallein deshalb mit 39.200 Tonnen einen absoluten Spitzenwert, von dem 32.870 Tonnen in 2.260 Schiffsladungen über den Wasserweg exportiert wurden.

1594 verpflichtete sich Herzog Wilhelm V. von Bayern vertraglich, die gesamte Salzmenge abzunehmen, die von Hallein aus zu Schiff in den Handel ging. Über die Erfüllung dieses Vertrags entstand ein Streit, der in Wolf Dietrichs Sturz und Gefangennahme 1611 gipfelte. Der Salzvertrag desselben Jahres, den Herzog Maximilian I. mit dem Salzburger Domkapitel schloss, überließ Bayern den gesamten Halleiner Salzhandel - ohne Abnahmegarantie. Das ist der schlechtere Vertrag von beiden, und er hielt zwei Jahrhunderte: Die bayerischen Herzöge nutzten die von den Erzbischöfen geschaffene Schifffahrtsorganisation weiter, die Kontrolle lag beim bayerischen Salzfertiger mit Sitz in Laufen, und das Bild der Salzach prägten die bayerischen Schiffszüge in Form des sogenannten Meistersalzes.

1816: das Ende des Monopols

Mit dem endgültigen Übergang Salzburgs an Österreich 1816 verlor die Saline Hallein ihre Sonderstellung und geriet gegenüber den österreichischen Salinen im Salzkammergut ins Hintertreffen. Die Schiffergemeinde Laufen-Oberndorf, die sich 1828 aus den Schiffleuten von Laufen, Oberndorf, Hallein und Obernberg konstituierte, wurde weder von Bayern noch von Österreich anerkannt und hatte kein Monopol mehr.

Den Rest erledigte die Eisenbahn. Sie war beim Rücktransport von Personen und Waren unschlagbar schneller und billiger als der schwerfällige Gegenzug, also stellte man den Gegenzug ganz ein: Die Treppelwege verfielen, unterwegs kamen nur noch Einwegschiffe zum Einsatz, die am Zielort in Linz oder Wien als Brennholz verkauft wurden. Weil auch die Fahrrinne nicht mehr gepflegt und markiert wurde, häuften sich die Unfälle.

Als die Kaiserin-Elisabeth-Westbahn 1860 Salzburg erreichte, bekamen die Laufener Schiffleute noch geringe Salzkontingente zugewiesen, um sie nicht schlagartig arbeitslos zu machen. Am 23. August 1866 ging der letzte Transport bayerischen Salzes von Hallein-Rif nach Passau; im Jahr darauf stellte die königlich-bayerische Regierung den Schiffstransport für Salz ein. Mit dem Bahnanschluss Halleins 1871 war es endgültig vorbei, und zwischen 1871 und 1873 löste sich die schwer verschuldete Schiffergemeinde praktisch auf. Wie sich das Wasser danach entwickelte und was heute auf dem Fluss fährt, steht im Beitrag zur Salzachschifffahrt.

Was vom weißen Gold geblieben ist

Der Salzabbau überlebte den Handel um mehr als ein Jahrhundert. Beendet wurde er 1989, als in Hallein die Saline schloss und am Dürrnberg die Solegewinnung eingestellt wurde - damit endete die Salzproduktion im Land Salzburg vollständig.

Zwei Dinge haben das überdauert. Erstens ein Vertrag: Die Salinenkonvention vom 18. März 1829 zwischen Bayern und Österreich regelte Salzabbau und Holzversorgung über die Grenze hinweg. Bayern durfte jährlich 10.000 Tonnen Salz beziehen, Österreich hatte Anspruch auf 630 Festmeter Holz; Bayern besitzt bis heute rund 18.500 Hektar Wald in den Salzburger Gemeinden Leogang, Lofer, Saalfelden, St. Martin, Unken und Weißbach - die sogenannten Saalforste. 1957 wurde die Konvention novelliert, das Grubenfeld durfte um 200 Meter erweitert werden. Der Vertrag gilt weiter, obwohl seine ursprüngliche Tauschlogik längst obsolet ist; das Historische Lexikon Bayerns führt die Einzelheiten.

Zweitens ein Gebäude. Die Alte Saline auf der Pernerinsel in Hallein, in der bis 1989 Salz verarbeitet wurde, ist heute Veranstaltungsort - unter anderem für die Salzburger Festspiele, die Internationale Sommerakademie und das Halleiner Kulturforum. Aus der Salzhalle wurde eine Spielstätte, was insofern passt, als die Festspiele selbst mit dem Geld einer Region entstanden, die vom Salz nichts mehr hatte.

Und drittens, weniger sichtbar, die Menschen: Unter den Protestanten, die Erzbischof Max Gandolph 1686 aus dem Land werfen ließ, waren die evangelischen Knappen des Dürrnbergs. Was daraus wurde, steht im Beitrag zur Vertreibung der Salzburger Protestanten.

Stand August 2026. Wirtschafts- und Schifffahrtsgeschichte nach Heinz Dopsch, „Inn-Salzach. Ein Flußsystem macht Geschichte" (Laufener Seminarbeiträge 5/99, Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege); Ortsgeschichte nach dem Tourismusverband Hallein Bad Dürrnberg; Chronologie der Stadt nach dem Archiv der Stadt Salzburg; Salinenkonvention nach dem Historischen Lexikon Bayerns; Sammlung nach dem Keltenmuseum Hallein.

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