SALZBURG JOURNAL

Der Untersberg: Seilbahn, Gipfel und Grenzberg

Die Seilbahn überwindet 1.320 Höhenmeter, hängt über eineinhalb Kilometer frei in der Luft und endet trotzdem nicht am höchsten Punkt. Der Grund dafür ist die Staatsgrenze, die mitten durch das Massiv läuft.

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Der Untersberg: Seilbahn, Gipfel und Grenzberg

Ein Massiv, zwei Staaten

Das Untersbergmassiv erstreckt sich über rund 70 Quadratkilometer im Südwesten des Flachgaus, direkt an der Grenze zu Bayern. Es reicht von Bayerisch Gmain und Bischofswiesen im Berchtesgadener Land bis nach Großgmain auf der Salzburger Seite. Der höchste Punkt auf österreichischem Boden ist der Salzburger Hochthron mit 1.853 Metern, der höchste Punkt des Massivs überhaupt der Berchtesgadener Hochthron mit 1.972 Metern - und der steht in Deutschland.

Diese Grenze ist kein Detail für Kartenleser. Sie hat den Bau der Seilbahn geprägt und bestimmt bis heute, wo Sie mit welcher Karte wandern und welche Notrufnummer im Zweifel gilt.

Die Seilbahn: Preise und Betriebszeiten

Die Talstation liegt in St. Leonhard bei Grödig, 19 Kilometer und rund 18 Minuten vom Salzburger Hauptbahnhof entfernt. Die Bahn fährt im Halbstundentakt, jeweils zur vollen und halben Stunde, mit Zwischenfahrten bei Andrang. Die Betriebszeiten wechseln viermal im Jahr:

ZeitraumBetriebletzte Bergfahrtletzte Talfahrt
1. Jänner bis 28. Februar9.00 bis 16.0015.3016.00
1. März bis 30. April8.30 bis 17.0016.3017.00
1. Mai bis 30. September8.30 bis 17.3017.0017.30
1. Oktober bis 2. November8.30 bis 17.0016.3017.00
15. Dezember bis 31. Dezember9.00 bis 16.0015.3016.00

Zwischen dem 3. November und dem 14. Dezember steht die Bahn für die Herbstrevision still. Wer im November hinauf will, kommt nicht hinauf - das ist die häufigste vermeidbare Fehlplanung an diesem Berg.

Die Preise der Untersbergbahn für Berg- und Talfahrt liegen bei 34 Euro für Erwachsene, 29 Euro für Senioren ab 65, 24 Euro für Jugendliche, Lehrlinge und Studenten und 17 Euro für Kinder von 6 bis 14 Jahren. Die Einzelfahrt in eine Richtung kostet 22, 20, 17 beziehungsweise 14 Euro - wer zu Fuß aufsteigt und nur herunterfährt, zahlt also deutlich weniger. Hunde fahren für 12 Euro mit, mit Leinen- und Beißkorbpflicht. Der Zehnerblock für Erwachsene kostet 193 Euro und spart gegenüber zehn Einzeltickets rund 43 Prozent. Jahreskarten (365 Euro für Erwachsene) und Sommer-Saisonkarten (240 Euro) gibt es nur an der Kassa vor Ort.

Technik: 1.320 Höhenmeter, 286 Meter über dem Boden

Die Untersbergbahn ist eine Zweiseil-Pendelbahn und fährt seit April 1961. Ihre technischen Daten erklären, warum die Fahrt auch Leute beeindruckt, die Seilbahnen gewohnt sind:

  • Talstation St. Leonhard auf 456 Metern, Bergstation Geiereck auf 1.776 Metern - ein Höhenunterschied von 1.320 Metern.
  • Schräge Bahnlänge 2.850 Meter, waagrecht 2.494 Meter. Die mittlere Neigung beträgt 52 Prozent, die größte 79 Prozent.
  • Nur zwei Stützen: Stütze I steht auf 1.100 Metern und ist 48 Meter hoch, Stütze II auf 1.370 Metern und 12 Meter hoch.
  • Zwischen Talstation und erster Stütze hängt das Seil 1.548 Meter frei - mehr als die Hälfte der gesamten Strecke. Der höchste Bodenabstand liegt bei 286 Metern.
  • Das Tragseil hat 65 Millimeter Durchmesser, besteht aus 259 Drähten und wiegt 48,7 Tonnen; die Spanneinrichtung in der Talstation arbeitet mit 80 Tonnen.
  • Zwei Kabinen zu je 50 Personen, Höchstgeschwindigkeit 8 Meter pro Sekunde, Fahrzeit rund 8,3 Minuten, maximal 300 Personen pro Stunde und Richtung.

Warum die Bahn nicht auf den höchsten Punkt fährt

Die Bergstation heißt Geiereck und liegt auf 1.776 Metern - 77 Meter unter dem Salzburger Hochthron und fast 200 unter dem höchsten Punkt des Massivs. Das war nicht die ursprüngliche Absicht.

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es Pläne für eine stützenlose Seilbahn vom ehemaligen Hafengebäude am Rudolfsplatz in der Stadt direkt auf den Salzburger Hochthron. Sie blieben Papier. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand 1956 die „Untersberg Seilschwebebahn Gesellschaft" mit einem konkreten Projekt von St. Leonhard auf den Salzburger Hochthron. Es scheiterte daran, dass die Bahn bayerisches Gebiet überfahren hätte, und an fehlendem Kapital. Erst nachdem Bürgermeister Alfred Bäck weitergedrängt und der Gemeinderat 1957 über eine Beteiligung beraten hatte, entstand am 15. Mai 1958 die Untersbergbahn Ges.m.b.H.; die Stadt Salzburg übernahm die Bürgschaft für ERP- und Bankkredite. Gebaut wurde von 1958 bis 1961, weitgehend in Handarbeit, weil sich der zerklüftete Kalkfels maschinellen Hilfsmitteln entzog.

Barrierefreiheit: möglich, aber mit Bedingungen

Nach der Erneuerung der Bahn ist die Bergstation samt Aussichtsterrasse auch für Rollstuhlfahrende erreichbar. Der Betreiber nennt dazu präzise Bedingungen: maximal zwei Rollstühle pro Gondel. An der Talstation führt der Weg über eine Rampe direkt neben dem Eingang und einen Personenlift, Behindertenparkplätze liegen unmittelbar davor. An der Bergstation ließ sich kein Personenlift nachrüsten, dort arbeitet ein Treppenliftgerät mit einer Tragfähigkeit von 130 Kilogramm inklusive Rollstuhl. Elektrische Rollstühle können nur befördert werden, wenn Sie in einen nicht elektrischen umsteigen - davon steht ein Stück bereit. Barrierefreie WC-Anlagen gibt es an beiden Stationen. Hinter der Aussichtsterrasse endet der Seilbahnbereich, und das Gelände wird steil und schottrig.

Zu Fuß hinauf: drei Steige, drei Schwierigkeitsgrade

Der Untersberg ist kein Spaziergang. Die Bahn selbst beschreibt drei Routen mit deutlich unterschiedlichem Anspruch:

  • Reitsteig - der zugänglichste der drei. Start am Parkplatz in Glanegg, viele Stufen, aber moderate Schwierigkeit.
  • Dopplersteig - ebenfalls ab Glanegg, steil und fordernd.
  • Thomas-Eder-Steig - ausdrücklich für erfahrene Bergsteiger. Start an der Bergstation, dann dem Alpenvereinsweg 417 folgen.

Die naheliegende Kombination: mit der Bahn hinauf, zu Fuß hinunter, dafür nur die Einzelfahrt lösen. Wie sich diese Wege gegenüber anderen Touren im Land einordnen, steht beim Wandern im Salzburger Land; den deutlich einfacheren Hausberg beschreibt der Beitrag zum Gaisberg.

Hütten am Berg

Vier Häuser stehen am Massiv, und drei davon zeigen, dass der Berg zwei Ländern gehört:

  • Hochalm - nahe der Bergstation auf der Salzburger Seite.
  • Zeppezauerhaus - Ausgangspunkt für Touren über das ganze Massiv, auch für Kletterer und Höhlenforscher.
  • Stöhrhaus - auf 1.894 Metern etwas unterhalb des Berchtesgadener Hochthrons, Schutzhütte der DAV-Sektion Berchtesgaden und damit deutsches Vereinsgebiet.
  • Toni-Lenz-Hütte - auf 1.450 Metern an der südöstlichen Flanke, 20 Gehminuten von der Schellenberger Eishöhle entfernt.

Wer die Schellenberger Eishöhle ansteuert, ist in Deutschland unterwegs. Was das für Anreise, Feiertage und Notruf bedeutet, steht bei den Ausflügen nach Bayern ab Salzburg. Die österreichische Alternative unter Tage ist die Eisriesenwelt bei Werfen.

Anreise: fünf Buslinien zur Talstation

Die Untersbergbahn ist mit dem Auto in unter zwanzig Minuten erreichbar, hat aber eine der besten Öffi-Anbindungen aller Bergbahnen im Land. Der Betreiber führt fünf Linien an:

  • Linie 25: Hauptbahnhof - Zentrum - Hellbrunn - Anif - Grödig - St. Leonhard - Untersbergbahn.
  • Linie 28: Zentrum - Nonntal - Alpenstraße - Anif - Grödig - St. Leonhard - Untersbergbahn.
  • Linie 5: Hauptbahnhof - Zentrum - Birkensiedlung - Grödig - Untersbergbahn.
  • Linie 35: Fürstenbrunn - Grödig - St. Leonhard - Untersbergbahn.
  • Linie 840: Berchtesgaden Bahnhof - Marktschellenberg - St. Leonhard - Untersbergbahn.

Die Linie 25 führt an Schloss Hellbrunn vorbei, was zwei Ziele an einem Tag realistisch macht. Für den Weg zur Abfahrtshaltestelle im Stadtgebiet hilft der Beitrag zum Obus, für die Anfahrt von außerhalb die Anreise nach Salzburg. Seit 5. April 2025 gilt an der Talstation eine Parkraumbewirtschaftung - mit dem Bus entfällt die Frage. Fahrpläne und Tarife stehen beim Salzburger Verkehrsverbund.

Im Winter

Der Untersberg hat keinen Skibetrieb. Genutzt wird er im Winter für Schneeschuhwanderungen und Skitouren, die Bahn fährt von Jänner bis Ende Februar täglich von 9 bis 16 Uhr. Wer über die Feiertage hinauf will, beachtet die Lücke: Zwischen dem 3. November und dem 14. Dezember steht die Anlage.

Stand August 2026. Preise, Betriebszeiten, technische Daten, Baugeschichte, Hüttenangaben und Anreise nach der Untersbergbahn GmbH. Betriebszeiten und Revisionstermine ändern sich - vor der Fahrt gegenprüfen.

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