SALZBURG JOURNAL

Die Eisriesenwelt bei Werfen: Eis, Stufen und Karbidlampen

1.400 Stufen, 134 Höhenmeter und Temperaturen unter null - auch im August. Was der Besuch der größten Eishöhle der Welt kostet, wie lange er dauert und warum es dort drinnen bis heute keinen Strom gibt.

· 11 Min. Lesezeit · Von
Die Eisriesenwelt bei Werfen: Eis, Stufen und Karbidlampen

Was der Besuch tatsächlich verlangt

Die Eisriesenwelt liegt im Tennengebirge über Werfen, 51 Kilometer und rund 40 Autominuten südlich der Stadt Salzburg. Der Höhleneingang liegt auf 1.641 Metern - und dorthin führt kein Aufzug.

Der Weg besteht aus vier Etappen, die der Betreiber selbst so beschreibt: 20 Minuten leicht ansteigender Schotterweg vom Besucherzentrum auf 1.000 Metern zur Seilbahn-Talstation, 3 Minuten Seilbahnfahrt, weitere 20 Minuten Fußweg von der Bergstation zum Höhleneingang, dann 70 Minuten Führung. Insgesamt sollten Sie rund drei Stunden ab dem Parkplatz einplanen, Einkehr nicht eingerechnet.

In der Höhle selbst sind 1.400 Stufen und 134 Höhenmeter zu bewältigen - das entspricht dem Treppenhaus eines Hochhauses, und zwar bei einer Temperatur, die auch im Sommer meist unter null Grad liegt. Der Betreiber rät stark gehbehinderten und herz-kreislauf-erkrankten Personen ausdrücklich ab, ebenso bei Kleinkindern bis drei oder vier Jahren. Feste Schuhe, warme Jacke, Mütze und Handschuhe sind keine Übervorsicht; die Jacke packt man sinnvollerweise in den Rucksack und zieht sie erst am Eingang an.

Saison und Öffnungszeiten 2026

Die Höhle ist ein reines Sommerziel. Geöffnet ist täglich vom 1. Mai bis 1. November 2026, mit gestaffelten Zeiten für die drei Stationen:

BereichBetriebszeit
Kassa im Besucherzentrum8.30 bis 15.00 Uhr
Seilbahn, Bergfahrt zur Höhle8.45 bis 15.20 Uhr
Höhle, Führungen9.30 bis 15.45 Uhr

Wer um 15 Uhr an der Kassa steht, hat die letzte Bergfahrt um 15.20 Uhr noch - aber keinen Puffer. Der Andrang ist laut Betreiber zwischen 10 und 14 Uhr am größten. Der frühe Vormittag ist die ruhigere Zeit, und ausgerechnet an heißen Schönwettertagen ist der Besuch am lohnendsten: Dann reicht der Blick vom Höhleneingang über das Salzachtal bis zu den Gipfeln der Hohen Tauern.

Preise 2026 und warum online billiger ist

Verkauft wird ausschließlich ein Kombiticket aus Höhlenführung und Seilbahn. Getrennte Tickets gibt es nicht.

Ticketan der Kassaim Onlineshop
Erwachsene45,00 €41,00 €
Jugend, 15 bis 18 Jahre32,00 €30,00 €
Kind, 5 bis 14 Jahre24,00 €22,00 €

Der Onlinepreis liegt bei Erwachsenen knapp 9 Prozent unter dem Kassenpreis. Für zwei Erwachsene und zwei Kinder sind das 126 statt 138 Euro. Der eigentliche Vorteil ist aber nicht das Geld, sondern der Platz: Weil die Kapazität von Seilbahn und Führungen begrenzt ist, bucht das Online-Ticket ein 30-minütiges Zeitfenster für den Check-in im Besucherzentrum. Wer vor Ort kauft oder sein Fenster verpasst, bekommt nur noch Restplätze - mit entsprechender Wartezeit. Danach gibt es weder bei der Seilbahn noch am Höhleneingang eine weitere Zeitkontrolle.

Gruppen ab 20 Personen zahlen einen ermäßigten Tarif, der Reiseleiter kommt frei hinein, Busfahrer mit Transportschein ebenfalls. Bei Schulgruppen ist pro angefangenen 15 Schülern eine Begleitperson frei. Reservierung ist in beiden Fällen verpflichtend.

Kein Strom, keine Fotos

Zwei Dinge überraschen fast alle Erstbesucher. In der Eisriesenwelt gibt es keine elektrische Beleuchtung, und das ist Absicht. Die Gäste gehen mit historisch nachempfundenen Karbidlampen, die Führer arbeiten mit Magnesiumbeleuchtung, deren weißes Licht die Eisformationen kurzzeitig ausleuchtet. Wer erwartet, dass eine Schauhöhle heute durchgehend in LED-Licht steht, erlebt das Gegenteil.

Zweitens ist Fotografieren und Filmen in der Höhle nicht gestattet. Der Betreiber begründet das mit dem Ablauf und dem ungestörten Erlebnis für alle. Wer Bilder braucht, macht sie am Eingang mit dem Tal im Rücken.

Warum es in dieser Höhle Eis gibt

Die Eisriesenwelt ist eine dynamische Eishöhle, und der Mechanismus dahinter heißt Kamineffekt. Voraussetzung ist ein Hohlraumsystem mit einem tief gelegenen Eingang und mindestens einem deutlich höher gelegenen Ausgang.

Im Winter ist der Fels innen wärmer als die Außenluft. Es entsteht ein Luftzug nach oben, kalte Winterluft strömt am unteren Eingang nach und unterkühlt die Gesteinsflächen. Im Sommer kehrt sich die Strömung um: Die relativ kalte Höhlenluft sinkt ab, von oben wird warme Luft angesaugt, die aber auf dem Weg nach unten so weit abkühlt, dass der Eingangsbereich nicht mehr über null Grad kommt. Eindringendes Schmelzwasser gefriert - und daraus werden die Eisfiguren. Die Regeltemperatur der Gesteinsmassen liegt bei etwa 8 Grad.

Das System ist empfindlich: Es braucht im Winter genug Schneebedeckung und im Sommer genau jene Wärme, die den Schnee schmelzen lässt, ohne zu viel davon in die Höhle zu tragen. Der Energiehaushalt einer dynamischen Eishöhle ist nach Darstellung des Betreibers bis heute nicht vollständig geklärt; gemessen werden laufend Temperatur und Wind. Eines ist untersucht: Die Wärmeabgabe der Besucher hat nur unbedeutenden Einfluss auf die Gesamtenergiemenge.

Zum Alter: Die ältesten Eisschichten in den Eishöhlen der Alpen und auch hier sind nach den Untersuchungen der Eisinhaltsstoffe etwa tausend Jahre alt. Gemessen an der Höhlengeschichte von rund 50 bis 100 Millionen Jahren ist das Eis eine sehr junge Erscheinung. Die Details dazu stehen im wissenschaftlichen Hintergrundpapier der Eisriesenwelt GmbH.

Entdeckt 1879, erschlossen ab 1920

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Höhle unbekannt - wegen der ausgesetzten Lage und weil sich damals kaum jemand für Höhlenforschung interessierte. 1879 drang der Salzburger Naturforscher Anton von Posselt-Czorich allein rund 200 Meter weit vor und veröffentlichte ein Jahr später einen Bericht in der Zeitschrift des Alpenvereins. Danach geriet die Höhle wieder in Vergessenheit.

Erst 1913 nahm Alexander von Mörk, der Begründer der Salzburger Höhlenforschung, Posselts Dokumentation ernst und stieg gemeinsam mit Angermayer und Riehl ein. Nach dem Ersten Weltkrieg erkundeten Friedrich und Robert Oedl sowie Walter Czernig die kilometerlangen Labyrinthe.

Die Erschließung folgte rasch: 1920 eine Forscherhütte und erste Steiganlagen, 1924 ein durchgehend begehbarer Eisteil auf einfachen Holzstegen, 1925 ein Schutzhaus, das nach Friedrich Oedl benannt wurde und heute noch als Dr.-Oedl-Haus auf 1.575 Metern steht. Rund 35 Jahre lang war der Aufstieg ausschließlich zu Fuß möglich. Ab 1953 ließ sich die zunächst einspurige und unasphaltierte Eisriesenweltstraße befahren, ab 1955 ersetzte die Seilbahn den steilsten Abschnitt zwischen 1.084 und 1.586 Metern - 502 Höhenmeter in wenigen Minuten.

Grundeigentümer sind die Österreichischen Bundesforste. Der Salzburger Verein für Höhlenkunde hatte zunächst eine vorläufige Pacht; 1928, nach Gründung einer eigenen Eisriesenwelt-Gesellschaft, folgten langfristige Verträge. Die Bundesforste erhalten bis heute einen Prozentsatz der Eintrittsgebühren.

Anreise: Straße, Bus, oder ganz zu Fuß

Von Werfen führt eine 5 Kilometer lange, asphaltierte und mautfreie Zufahrtsstraße zu den Parkplätzen am Besucherzentrum. Sie ist bis zu 21 Prozent steil. Für Reisebusse bis 14 Meter Länge ist sie fast durchgehend zweispurig befahrbar, Fahrzeit rund 20 Minuten. Wohnwagen sind behördlich nicht zugelassen, Wohnmobile zwar erlaubt, aber wegen Steigung und Parkplatzlage nicht empfohlen - dafür gibt es einen gebührenfreien Parkplatz beim Buszubringer. An Regentagen im Juli und August werden die Parkplätze oben knapp; dann fährt ein Shuttle ab Werfen.

Ohne Auto funktioniert es über den kostenpflichtigen Buszubringer: Ab Bahnhof Werfen fährt der Linienbus um 8.26, 10.26, 12.26 und 14.26 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten geht es ab dem Busabfahrtsplatz Gries, etwa fünf Gehminuten vom Bahnhof entfernt, alle 25 Minuten. Talfahrten in der Hauptsaison ebenfalls alle 25 Minuten, in Vor- und Nachsaison stündlich zur 42. Minute; die letzte Talfahrt ist um 17.42 Uhr. Dauert eine Führung länger, sorgt der Betrieb trotzdem für die Rückfahrt. Werfen liegt an der Bahnstrecke Salzburg - Schwarzach-St. Veit, die Zuganreise ist also unkompliziert; Fahrpläne und Tarife stehen beim Salzburger Verkehrsverbund.

Wer den ganzen Weg gehen will: Von Werfen und von Tenneck führen beschilderte Wanderwege hinauf, Aufstieg vom Tal zur Seilbahn 1,5 bis 2 Stunden. Die Seilbahnstrecke zu Fuß ist ein gesicherter Alpinsteig in ausgesetzter Lage und kostet weitere 1,5 Stunden - Schwindelfreiheit und Bergausrüstung vorausgesetzt.

Was am selben Tag noch dazupasst

Werfen hat zwei große Ziele auf engem Raum. Die Burg Hohenwerfen mit ihrer Greifvogel-Flugvorführung liegt im selben Ort und ist von April bis November geöffnet - beides an einem Tag ist machbar, wenn Sie früh in der Höhle sind. Wer lieber unter Tage bleibt, findet das ganzjährig befahrbare Gegenstück im Salzbergwerk am Dürrnberg bei Hallein, das deutlich näher an der Stadt liegt und weder Stufen in dieser Zahl noch Minusgrade verlangt.

Stand August 2026. Preise, Öffnungszeiten, Weg- und Anreiseangaben sowie die wissenschaftlichen und historischen Angaben nach der Eisriesenwelt GmbH, Werfen. Saisonenden und Fahrpläne ändern sich - vor der Fahrt gegenprüfen.

Mehr aus Salzburger Land