Schloss Hellbrunn: Das Lustschloss des Markus Sittikus
In sieben Regierungsjahren ließ ein Fürsterzbischof südlich von Salzburg eine Villa nach italienischem Vorbild bauen - mit Wasserautomaten, einer Felsenbühne und 60 Hektar Park. Fertig wurde sie im Monat seines Todes.
Ein Lustschloss, kein Jagdschloss
Jagdschlösser sind zum Jagen da, Residenzen zum Wohnen und Regieren. Hellbrunn ist weder das eine noch das andere: Es ist eine villa suburbana nach italienischem Vorbild - ein Ort zum Feiern, zur Erholung, zum Vergnügen. Ein Feriendomizil vor den Toren der Stadt, das um 1615 groß in Mode war.
Gebaut hat es Fürsterzbischof Markus Sittikus von Hohenems, und zwar in einem bemerkenswert kurzen Zeitfenster. Er wurde 1612 gewählt, im Juni 1613 begannen die Bauarbeiten, im April 1615 stand das Schlossgebäude, im November 1619 waren alle Arbeiten abgeschlossen. Markus Sittikus starb am 8. Oktober 1619 - die Anlage wurde also praktisch im Monat seines Todes fertig. Seine gesamte Regierungszeit dauerte sieben Jahre.
Die Anlage liegt rund vier Kilometer südöstlich der Altstadt, erreichbar über die Hellbrunner Allee mit ihren über 250 Jahre alten Eichen, an der auch andere Landsitze stehen. Am Ende der Allee sieht es aus, als ginge es nicht weiter; erst nach einer scharfen Richtungsänderung zweigt die Schlosszufahrt nach Südwesten ab.
Wer Markus Sittikus war
Die Quellenlage zu Hellbrunn ist dünn, und das prägt bis heute, was man über den Bauherrn sagen kann. Es gibt keine Baupläne, keine Bauakten, keine Äußerung des Bauherrn selbst - nur die Beschreibung seines Sekretärs Johann Stainhauser, die nicht einmal die Namen der beteiligten Künstler nennt. Die historische Darstellung der Schlossverwaltung geht damit ungewöhnlich offen um: Vieles, was über Hellbrunn erzählt wird, sei durch Wiederholung zur angeblichen Gewissheit geworden.
Belegt ist die Biografie. Markus Sittikus wurde 1574 in Hohenems geboren und verlor mit vier Jahren die Mutter. 1582 kam er als Achtjähriger an das Collegio dei Nobili in Mailand, in die Obhut seines Onkels, des Kardinals Carlo Borromeo. Ab 1585 studierte er als Elfjähriger am Collegium Germanicum in Rom, brach nach eineinhalb Jahren ab, ging nach Ingolstadt, sammelte Domherrenstellen in Konstanz, Salzburg und Augsburg und begann 1591 in Bologna ein Jusstudium, von dessen Abschluss nichts bekannt ist.
Entscheidend für Hellbrunn ist ein anderes Detail: 1601 bewohnte er die Villa Aldobrandini in Frascati - berühmt für ihre Wasserspiele. Ganz in der Nähe lag die Villa Mondragone seines Onkels, des Kardinals Marco Sittico Altemps, berüchtigt für ihre Wasserscherze. Was er in Hellbrunn bauen ließ, hat dort seine Vorbilder; neuere Untersuchungen zeigen zudem konkrete Bezüge zur Villa Pratolino, zur Villa d'Este und zur Villa Lante.
Zum Erzbischof wurde er 1612 in einem raschen Verfahren gewählt, nachdem sein Vetter und Vorgänger Wolf Dietrich von Raitenau im Streit mit Bayern um Salz und Berchtesgaden gefangen genommen und abgesetzt worden war. Markus Sittikus galt als Halbitaliener und erregte deshalb wenig politischen Widerstand - musste aber die Verantwortung für die Haft seines Verwandten tragen, der 1617 im Kerker starb. Er überlebte ihn um zwei Jahre.
Solari, Mascagni und ein unbekannter Brunnmeister
Noch im Jahr seiner Wahl berief Markus Sittikus Santino Solari (1576 bis 1646) aus dem Intelvi-Tal oberhalb des Comersees zum Dombaumeister. Solari baute den Salzburger Dom - dessen Grundstein 1614 gelegt wurde - und zugleich Hellbrunn. Er wird in den Quellen als statuarius idem et architectus geführt, also Bildhauer und Architekt zugleich.
Die malerische Ausstattung des Schlosses stammt von Fra Arsenio Mascagni (etwa 1570 bis 1637), einem Servitenmönch aus Florenz. In den Rechnungen taucht ein "Fra Gioachino" als Brunnmeister auf - vermutlich der Hydrauliker, der für Automaten und Pumpanlagen verantwortlich war; mehr weiß man über ihn nicht. Als Bildhauer werden Hieronymo Preosto und Bernardo Zanini genannt, von denen nur die Gehälter überliefert sind. Zahlreiche Figuren lassen sich dagegen stilistisch Hans Waldburger (1570 bis 1630) und Hans Conrad Asper (um 1588 bis 1666) zuschreiben, obwohl kein schriftliches Dokument das belegt.
Die Wasserspiele: Grotten, Automaten, Brunnen
Der bekannteste Teil der Anlage ist bis heute das, was den Gästen des Erzbischofs passierte, wenn sie sich zu sicher fühlten. Die Wasserspiele gliedern sich in vier Bereiche:
- Grotten - griechische Götter, Fabelwesen und Sinnestäuschungen.
- Wasserautomaten, seit 1615 - in fünf kleinen Grotten stehen wasserbetriebene Figuren. Die Schlossverwaltung bezeichnet das Ensemble als weltweit einzigartig; technisch ist es eine Meisterleistung des frühen 17. Jahrhunderts, weil alles ohne Motor allein durch Gefälle und Wasserdruck läuft.
- Mechanisches Theater - der jüngste Teil, 1750 von Lorenz Rosenegger errichtet. 163 wasserbetriebene Figuren stellen das Leben einer barocken Kleinstadt dar: Es wird gehämmert, gesägt und gewerkt, und eine ebenfalls wasserbetriebene Orgel gibt den Takt vor.
- Brunnen - Eurydike, Neptun, der Jäger Aktaion und die Jagdgöttin Diana. Der größte steht hinter dem Schloss und wird von einer natürlichen Quelle gespeist: der Brunnen Altemps mit dem Sternweiher und seinen Mosaiken.
Der Rundgang durch die Wasserspiele dauert rund 50 Minuten und läuft mit mobilem Audioguide in 17 Sprachen. Für alle Stationen gibt es außerdem Videos in Gebärdensprache.
Das Steintheater: Bühne im Fels
Weniger bekannt, historisch aber mindestens so bemerkenswert ist die Naturbühne im Wald des Hellbrunner Bergs. Stainhauser beschrieb sie als "in den Fölsen ausgehauene" Theatrum, in dem die Personen "überall aus den Fölsen artlich herfür kommen". Margherita Costa nannte sie 1628 ein natürlich gebildetes Amphitheater; der bayerische Hofpoet Domenico Gisberti hielt sie für "ganz Rares, vielleicht Einzigartiges auf der ganzen Welt".
Johann Bernhard Fischer von Erlach zeichnete die Felsenbühne um 1700 und bildete den Stich 1721 in seiner "Historischen Architektur" ab. Die erste musikalische Darbietung, ein Pastoral, fand am 28. August 1617 statt - das Steintheater war damit der zweite Spielort, den Markus Sittikus für seine Musik- und Theaterleidenschaft einrichtete.
Diese Leidenschaft war teuer und nicht unumstritten. Der Sänger Francesco Rasi, der in Mantua die Titelrolle in Monteverdis "Orfeo" gesungen hatte, war 1612 am Salzburger Hof; Markus Sittikus wollte sogar Bühnenpraktiker aus Mantua holen. Sein Bruder Kaspar schrieb dazu an seinen Sohn, viele redeten "übel von dem großen Geld, so ungespart welschen Musikanten, Comedianten und dergleichen Leuten angehängt wird".
Eine Fußnote der Festspielgeschichte hängt ebenfalls an diesem Ort: In den 1920er-Jahren ließ die Festspielhaus-Gemeinde durch den Berliner Architekten Hans Poelzig südlich des Steintheaters einen ganzen Festspielbezirk mit Opern- und Schauspielhaus planen - dort, wo heute das Nashorngehege steht. Max Reinhardt soll gesagt haben: "Das kommt niemals zustande." Die Inflation entwertete die gesammelten Mittel, und er behielt recht. Die Darstellung zum Steintheater führt die Zitate vollständig an.
60 Hektar Park - und wie er englisch wurde
Der Park misst 60 Hektar und ist von einer Mauer umschlossen. Angelegt wurde er zwischen 1613 und 1616 nach einem Prinzip, das über einem Torbogen steht: "Das Göttliche vereint sogar das Gegensätzliche." Hell und Dunkel, Feuer und Wasser, belebt und unbelebt - Kontraste als Bauplan.
Die entscheidende Veränderung kam um 1790 unter Erzbischof Hieronymus von Colloredo: Er ließ den nord- und südöstlichen Teil der Umfassungsmauer abreißen und einen Park nach englischem Vorbild anlegen. Der dreieckige Naturpark mit seinen betont unregelmäßigen Wegen steht seither im Kontrast zur strengen Anlage rund um die Teiche - und dieser Zustand ist im Wesentlichen bis heute erhalten.
Die Eigentumsgeschichte danach in Kurzform: 1803 wurde Salzburg weltliches Fürstentum, 1816 kam es stark verkleinert zu Österreich, damit Hellbrunn in habsburgischen Besitz. Seit 1922 gehört die Anlage der Stadtgemeinde Salzburg, die sie bis heute verwaltet.
Im Park liegen mehrere eigenständige Punkte: das Wasserparterre mit dem großen rechteckigen Teich und der über Brücken erreichbaren Insel, seitliche Fischteiche, eine Fichtenallee mit Schloss Goldenstein am Endpunkt, die alte Kastanienallee, die ummauerte Fasanerie und der Hellbrunner Tiergarten an den Flanken des Bergs. Dazu steht im Park die Original-Filmrequisite des Pavillons aus "The Sound of Music" - ein Ziel, das die Schlossverwaltung mit über 300.000 Besuchern jährlich beziffert.
Das Monatsschlössl und das Volkskunde Museum
Am Hang des Hellbrunner Bergs steht das Monatsschlössl, 1615 als Jagdschlösschen erbaut - der Legende nach in einem einzigen Monat, daher der Name. Seit 1924 beherbergt es das Salzburger Volkskunde Museum, das auf drei Stockwerken bäuerliche Prunkmöbel, historische Masken, die lebensgroßen Brauchfiguren der Schönperchten und Salzburger Trachten zeigt. Im Sommer laufen wechselnde Sonderausstellungen.
Der Fußweg vom Schloss dauert rund zehn Minuten, die Besichtigung etwa eine Stunde. Das Museum gehört zum Verbund des Salzburg Museum und ist im Hellbrunn-Ticket enthalten. Geöffnet hat es von Frühling bis Herbst täglich von 10 bis 17.30 Uhr - also kürzer als die übrige Anlage.
Saison und Zeiten
Hellbrunn ist eine reine Saisonanlage: 28. März bis 1. November 2026, dann täglich geöffnet. Die Zeiten wechseln monatlich, der letzte Einlass liegt jeweils eine Stunde vor Schluss:
| Zeitraum | Geöffnet | Letzter Einlass |
|---|---|---|
| 28. März und April | 9.30 - 17.30 Uhr | 16.30 Uhr |
| Mai und Juni | 9.30 - 18.30 Uhr | 17.30 Uhr |
| Juli und August | 9.30 - 19.00 Uhr | 18.00 Uhr |
| September | 9.30 - 18.30 Uhr | 17.30 Uhr |
| Oktober und 1. November | 9.30 - 17.30 Uhr | 16.30 Uhr |
Besichtigt wird bei jeder Witterung - was bei einer Anlage, deren Prinzip das Nasswerden ist, konsequent klingt, in der Praxis aber heißt: Regenschutz hilft nur bedingt. Ein Ticket enthält Wasserspiele, die Schlossausstellung "SchauLust" und das Volkskunde Museum; die Preise stehen im Vergleich bei den Sehenswürdigkeiten in Salzburg und vollständig auf der Info-Seite der Schlossverwaltung. Hellbrunn ist außerdem in der Salzburg Card enthalten und Partner der Aktiv:Karte der Stadt Salzburg.
Die Schlossausstellung "SchauLust" wurde zum 400-Jahr-Jubiläum eröffnet und dauert rund 30 Minuten: eine multimediale Installation zur Fasnacht von 1618, ein Musikzimmer mit dem Notenmaterial von Monteverdis "L'Orfeo", die Replik eines Globus von 1613, ein Modell der Anlage und ein überlebensgroßes Einhorn. Im Vierjahreszeitenzimmer im Hochparterre finden montags, dienstags und mittwochs ab 15 Uhr die Hellbrunner Schlosskonzerte statt, jeweils 45 Minuten.
Adresse: Fürstenweg 37, 5020 Salzburg. Kontakt: [email protected].
Stand August 2026. Alle Angaben nach den Seiten der Schlossverwaltung Hellbrunn; die historischen Abschnitte folgen dem dort veröffentlichten Text von Wilfried Schaber. Saisonzeiten ändern sich jährlich - vor der Anreise gegenprüfen.