SALZBURG JOURNAL

Der Gaisberg: Straße, Wanderwege und Paragleiter

1.287 Meter, 1,3 Millionen Besucher im Jahr und eine Straße, die 8.652 Meter lang ist. Was Sie über Auffahrt, Buslinie, Rundweg und die vier Startwiesen der Paragleiter wissen sollten.

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Der Gaisberg: Straße, Wanderwege und Paragleiter

Der Berg, der zur Stadt gehört

Der Gaisberg misst 1.287 Meter und ist damit die höchste Erhebung im Stadtgebiet von Salzburg. Sein westlicher Teil samt Gipfel bildet einen eigenen Landschaftsraum der Stadt, die Ostseite liegt bereits in der Gemeinde Koppl. Vom Hauptbahnhof zur Gaisbergspitze sind es über die Höhenstraße 15 Kilometer und rund 23 Minuten - kürzer als die Fahrt zu manchem Stadtteil.

Die Stadt Salzburg spricht von rund 1,3 Millionen Besucherinnen und Besuchern im Jahr auf ihrem Hausberg. Das erklärt, warum in den vergangenen Jahren die wild gewachsenen Parkflächen am Plateau zurückgebaut und stattdessen Längs-Abstellflächen entlang der Straße eingerichtet wurden. Der Andrang ist das eigentliche Thema am Gaisberg, nicht der Aufstieg.

Die Straße: 8.652 Meter, 672 Höhenmeter

Die Gaisbergstraße führt in Kehren von Parsch über die Zistelalm zur Spitze. Ihre exakte Länge ist gut dokumentiert, weil sie seit fast hundert Jahren als Rennstrecke vermessen wird: 8.652 Meter bei 672 Höhenmetern Unterschied, wie der Salzburg Rallye Club für die Bergwertung angibt. Das ergibt eine mittlere Steigung von knapp 8 Prozent - handhabbar für Rennrad und Motorrad, weshalb beide an Schönwettertagen zahlreich unterwegs sind.

An drei Tagen im Jahr ist die Straße für den Autoverkehr gesperrt. 2026 fällt der autofreie Gaisberg auf den 3. Mai, den 16. August und den 26. Oktober. An diesen Tagen gilt zwischen der Abzweigung Brauhausstraße und der Gaisbergspitze ein allgemeines Fahrverbot für den motorisierten Individualverkehr; ausgenommen sind Anrainer und Gäste der Betriebe, die eine Reservierungsbestätigung vorweisen können. Sicherheitsdienst und Polizei kontrollieren das. Wer an einem dieser Tage hinauf will, plant Bus, Rad oder die eigenen Beine ein - die Termine stehen bei der Stadt Salzburg.

Mit dem Bus auf den Gipfel

Der Gaisberg ist einer der wenigen Aussichtsberge Österreichs mit einer eigenen Buslinie bis zur Spitze. Die Linie 151 fährt laut dem Liniennetz des Salzburger Verkehrsverbunds vom Mirabellplatz über Gnigl und die Zistelalm zur Gaisbergspitze. Betrieben wird sie von Albus, und zwar fünfmal täglich. Die Tickets gelten wie im übrigen Verbund und sind in allen Autobuslinien und im Obus erhältlich - es braucht also kein eigenes Bergticket.

Für Paragleiter ist das der entscheidende Punkt: Sie kommen samt Ausrüstung ohne Auto zum Startplatz und landen später wieder unten in der Stadt. Auch für Wanderer, die nur bergab gehen wollen, ist die Linie 151 die halbe Miete.

Der Rundwanderweg und der Sendlwand-Steg

Der bekannteste Weg am Berg ist der Gaisberg-Rundwanderweg auf etwa 1.000 Metern Höhe, 5,5 Kilometer lang und weitgehend eben. Er ist familientauglich und lässt sich in beide Richtungen gehen; wer mit der Linie 151 anreist, steigt an der Zistelalm aus.

Am Weg liegt der Sendlwand-Steg mit zwei Aussichtspunkten und den steilsten Tiefblicken auf die Stadt. Er wurde nach rund 40 Jahren saniert, dabei geologisch und bautechnisch geprüft, verbreitert und für Rollstuhlfahrer befahrbar gemacht. Dazu kommt am Plateau eine verglaste Loge, die den Ausblick auch im Sitzen und bei Wind zugänglich macht. Beides ist an einem Aussichtsberg keineswegs selbstverständlich.

Auf der Zistelalm steht außerdem der mit 1.001 Metern höchstgelegene öffentliche Spielplatz der Stadt Salzburg, gewartet vom städtischen Gartenamt und an Gelände und Bepflanzung angepasst. Für Radfahrer führt eine 126 Kilometer lange E-Bike-Strecke über den Berg.

Vier Startwiesen für Paragleiter

Der Gaisberg ist ein Traditionsfluggebiet und war einmal Startpunkt der Red Bull X-Alps. Am Gipfel gibt es vier Wiesenstartplätze in alle vier Himmelsrichtungen, dazu eigene Packzonen, Landewiesen und Groundhandling-Wiesen. Am Nord- und am Weststart existiert eine Toplandezone für geübte Piloten, der Südstart ist ein reiner Naturstartplatz für Südwindlagen.

Zwei Einschränkungen sind zentral, und beide betreffen nicht die Technik, sondern die Regeln. Erstens liegt der Gaisberg in der Kontrollzone des Flughafens Salzburg, mit absolutem Flugverbot über dem Stadtgebiet. Zweitens ist der Startbetrieb an eine Mitgliedschaft gebunden: Der 1. Drachenflieger- und Paragleiterclub Salzburg, der die Start- und Landeplätze erhält, führt dazu eine eigene Fluggebiets-Checkliste. Wer einmalig fliegen will, klärt das vor der Anreise, nicht am Startplatz.

Für Zuschauer ist das trotzdem die verlässlichste Attraktion am Berg: An thermisch brauchbaren Nachmittagen starten die Schirme im Minutentakt.

Essen am Berg - mit einer wichtigen Einschränkung

Die Zistelalm auf 1.001 Metern war über Generationen die Einkehr am Gaisberg. Das gilt derzeit nicht mehr uneingeschränkt: Der Betrieb hat wegen des Personalmangels entschieden, dass Zistelalm und Zistelstadl bis auf weiteres nur noch für Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Wer dort auf ein Mittagessen ohne Reservierung hofft, steht vor verschlossener Tür. Das Zistelstadl ist als Veranstaltungsort weiter in Betrieb, unter anderem für die Reihe „Musik im Stadl".

Unterhalb, auf halber Höhe am Gersberg, liegt das Romantik Hotel Die Gersberg Alm in der Adresse Gersberg 37 - die Adresse zählt noch zum Stadtgebiet 5020 Salzburg. Vor der Fahrt anrufen bleibt an beiden Häusern die sichere Variante.

Das Gaisbergrennen: 1929 bis 1969, und heute wieder

Von 1929 bis 1969 war das Gaisbergrennen eines der größten Bergrennen im deutschsprachigen Raum, ab 1932 fester Bestandteil der Europäischen Bergmeisterschaft. Auf der Strecke fuhren Hans von Stuck auf Austro Daimler, Rudolf Caracciola auf Alfa Romeo und der Salzburger Bergrat Karl Imhof. In den 1950er- und 1960er-Jahren schickten Porsche, Borgward, BMW und Abarth Werksfahrer wie Wolfgang Graf Berghe von Trips, Hans Herrmann, Gerhard Mitter, Arturo Merzario und Dieter Quester an den Start.

Seit einigen Jahren gibt es das Gaisbergrennen für historische Automobile, ausgetragen als Gleichmäßigkeitsprüfung. Die Ausgabe 2026 findet vom 4. bis 6. Juni zum 22. Mal statt: Fahrzeugabnahme am 4. Juni in Schloss Hellbrunn, ab 13.30 Uhr Fahrzeugpräsentation am Residenzplatz, um 15 Uhr Start zum „Stadt Grand Prix von Salzburg" auf einer gesperrten 1,8 Kilometer langen Runde durch die Altstadt. Am 5. Juni folgen die Wertungsläufe am Gaisberg, am 6. Juni Läufe am Salzburgring. Wer an diesen Tagen in der Altstadt unterwegs ist, sollte die Sperren einplanen; wer sich für Schloss Hellbrunn interessiert, trifft dort auf ein volles Fahrerlager.

Ein Wald, der die Stadt schützt

Der Gaisbergwald ist kein Zufallsprodukt. Er war einmal in schlechtem Zustand und hielt bei Starkregen wenig zurück; die 75 Waldeigentümer erarbeiteten daraufhin gemeinsam mit der Stadt ein Pflegeprogramm. Heute schützt der durchforstete Bestand Stadtteile wie Aigen und Parsch vor Hochwasser, Steinschlag und Lawinen und liefert zugleich Holz und Trinkwasser.

Ökologisch ist der Berg ungewöhnlich reich: Nach Angaben der Stadt sind hier 30 Prozent aller in Österreich heimischen Blütenpflanzen vertreten, darunter Holunder-Orchidee, Zittergras, Bürstling und Enzian. An Tieren nennt die Stadt Gämsen, Wanderfalke und Uhu. Geplant ist außerdem ein Mountainbike-Trail, für den die Österreichischen Bundesforste als Partner gewonnen wurden; die Kosten werden auf rund eine halbe Million Euro geschätzt, konzipiert ist er als mittelschwerer Single-Trail für erfahrene Fahrer. Ein Baubeginn steht noch nicht fest.

Winter am Gaisberg

Der Gaisberg ist kein Skigebiet und hat keine Lifte. Im Winter wird er für Skitouren, Winterwanderungen und Langlauf genutzt; die Loipen werden nach Angaben der Tourismus Salzburg GmbH nahezu täglich frisch gespurt. Die Straße bleibt grundsätzlich befahrbar, bei Schneefall aber nur mit entsprechender Ausrüstung - Winterreifenpflicht und Kehren mit Gegenverkehr sind eine unangenehme Kombination.

Nicht zu verwechseln ist der Gaisberg mit den beiden anderen Aussichtsbergen der Region: Der Untersberg ist deutlich höher, hat eine Seilbahn und liegt zur Hälfte in Bayern. Der Kapuzinerberg dagegen ist ein reiner Stadtberg, 210 Meter über der Salzach, und in zwanzig Gehminuten aus der Altstadt erreichbar. Welche Wege am Gaisberg zu welchem Schwierigkeitsgrad passen, ordnet der Beitrag zum Wandern im Salzburger Land ein.

Stand August 2026. Angaben zu Straße, autofreien Tagen, Rundweg und Wald nach der Stadt Salzburg, Streckendaten und Renngeschichte nach dem Salzburg Rallye Club, Flugbetrieb nach dem 1. Drachenflieger- und Paragleiterclub Salzburg, Buslinie nach dem Salzburger Verkehrsverbund.

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