SALZBURG JOURNAL

Salzburgs Bürgermeister

Der erste namentlich bekannte Bürgermeister amtierte um 1370, bis 1511 waren es oft zwei gleichzeitig, dann nahm ein Erzbischof der Stadt die freie Ratswahl. Erst seit 1999 wird direkt gewählt. Eine Amtsgeschichte in Jahreszahlen.

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Salzburgs Bürgermeister

Um 1370 fängt die Liste an

Ein Stadtrat existierte in Salzburg seit etwa 1370, kurz darauf ist der erste Bürgermeister belegt: Konrad Taufkind, der um 1370 bis um 1374 amtierte und dessen Grabstein in der Marienkapelle von St. Peter erhalten ist. Die chronologische Liste hat das Salzburger Stadtarchiv zusammengestellt; sie reicht bis zu den ab 1999 direkt gewählten Bürgermeistern und weicht an einzelnen Stellen von älteren Aufstellungen ab, weil die Historikerinnen und Historiker des Archivs neue Erkenntnisse eingearbeitet haben. Die vollständige Aufstellung führt die Stadt Salzburg.

Auffällig am Anfang ist, dass die Stadt meist zwei Bürgermeister gleichzeitig hatte, oft mit jährlichem Wechsel: 1375/76 Peter Weiß und Virgil Sappl, 1377/78 Christian Nerär und Paul Köllrer, 1379/80 Hans Stölzel und Niklas Züngel der Jüngere. Im Jahr 1422 waren es sogar drei, 1458 ebenfalls vier Namen in einem Jahr. Es war ein Ehrenamt aus dem Patriziat, kein Beruf.

1407: die Stadt kauft sich ein Haus

Der Machtzuwachs der Bürgerschaft lässt sich an einem Gebäude ablesen. 1407 erwarb die Stadtgemeinde den Keutzlturm, einen Geschlechterturm der Patrizierfamilie Keutzl aus dem 12. Jahrhundert, samt dem umliegenden Areal. Der neue "Stadtturm" hatte militärische und Aufsichtsfunktionen, gebot mit seinen Glocken die Nachtruhe und vermittelte mit Turmuhr, Turmbläsern und Nachtwächtern den Faktor Zeit an die Stadtbewohner. 1482 wurde er offiziell in Rathaus umbenannt.

In den ersten beiden Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts wuchs der Bau auf seine heutige Dimension. Im Ratssaal tagte der Stadtrat, urteilte das Stadtgericht und wurde getanzt; im Haus saßen außerdem die städtische Kanzlei, die Botenzentrale, das Zeughaus und ein Vorläufer des Stadtarchivs. Stadthebamme, Stadtprediger und Stadtschreiber hatten dort Dienstwohnungen, Läden waren an Berufsgruppen wie die Stadtbäcker vermietet. Auf Stadtansichten des 16. Jahrhunderts erscheint das Rathaus nach Festung und Residenz als drittwichtigstes Profangebäude.

1481 bis 1511: dreißig Jahre freie Wahl

Die Liste des Stadtarchivs gliedert die Amtszeiten nach Perioden, und eine davon heißt "Frei gewählte Bürgermeister 1481 bis 1511". Sie beginnt mit dem Ratsbrief Kaiser Friedrichs III. und endet abrupt: 1511 erzwang Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach das Ende der freien Ratswahl. Von da an waren Bürgermeister und Stadtrat unter den absolut herrschenden Erzbischöfen der frühen Neuzeit auf administrative und repräsentative Aufgaben beschränkt.

Baulich bekam auch das eine Antwort: 1616 bis 1618 wurde das Rathaus für die neue Rolle großzügig umgebaut. Es entstanden die Säulenhalle im ersten Stock und darüber ein Tanzsaal mit Musikemporen, die wehrhaften Zinnen verschwanden. Vor allem aber trat die Nutzung als Sitz des erzbischöflichen Stadtgerichts in den Vordergrund - weshalb bis heute die 1616 von Hans Waldburger geschaffene Statue der Justitia über dem Eingangsportal steht. Der Magistrat selbst war äußerst beengt untergebracht. Wie die Erzbischöfe regierten, steht im Beitrag zu den Fürsterzbischöfen.

Namen, die anderswo wieder auftauchen

Drei Bürgermeister der erzbischöflichen Zeit begegnen einem in Salzburg an ganz anderer Stelle wieder.

  • Christoph Riß, Bürgermeister 1541 und noch einmal 1563, war der Gastwirt am heutigen Mozartplatz, bei dem Paracelsus 1525 seine Habe zurückließ, als er die Stadt verließ. Riß hatte in Ingolstadt studiert und war Mitbesitzer eines Bergwerks - im Todesjahr des Paracelsus war er Bürgermeister. Die Zusammenhänge stehen im Beitrag zu Paracelsus in Salzburg.
  • Sigmund Haffner (1699 bis 12. Jänner 1772) war von 1768 bis zu seinem Tod Bürgermeister und hatte der Stadt 1754 das Recht auf Prägung eigener Münzen verschafft - die "Hafner-Halbpatzen", Zwei-Kreuzer-Landmünzen, die bis 1760 im Umlauf blieben. Sein gleichnamiger Sohn wurde 1782 geadelt und hinterließ den wohltätigen Anstalten der Stadt 300.000 Gulden. Mozart schrieb der Familie zwei Werke: die Haffner-Sinfonie KV 385 und die Haffner-Serenade KV 250, letztere im Auftrag seines Vaters zur Nobilitierung des Sohnes. Haffners Ehrengrab liegt im Petersfriedhof; die Angaben führt die Stadt Salzburg in ihrem Verzeichnis der Ehrengräber.
  • Ignaz Anton von Weiser, Bürgermeister 1772 bis 1775, war zugleich Librettist für Mozart; sein Grab liegt im Petersfriedhof.

Die längsten Amtszeiten der erzbischöflichen Epoche hatten Kaspar Hahn (1611 bis 1636, also 25 Jahre), Johann Peter Metzger (1775 bis 1795) und Peter Zillner (1701 bis 1719). Vorher war das anders: Bis in die 1540er Jahre wechselte das Amt fast jährlich, erst mit Hans Zachner (1544 bis 1553) begannen die längeren Amtszeiten.

Wie viele es überhaupt waren

Über die gut 650 Jahre hinweg ist die Liste nicht gleichmäßig dicht. Für das 14. und 15. Jahrhundert verzeichnet das Stadtarchiv einzelne Jahre gar nicht - für 1382 bis 1388, für 1393 bis 1398, für 1401, 1412 und 1413 stehen keine Namen. Andere Familien kehren dagegen über Generationen wieder: Elsenheimer, Waginger, Schönberger, Knoll, Stumpf und Aigl stellten im 15. Jahrhundert immer wieder Bürgermeister. Das Amt zirkulierte innerhalb einer schmalen Schicht von Kaufleuten und Handwerksmeistern - dieselben Familien, deren Türme und Häuser die Altstadt bis heute prägen.

Der Bruch von 1811 bis 1818

Mit dem Ende des geistlichen Fürstentums geriet auch das Bürgermeisteramt aus dem Tritt. Von 1811 bis 1816 stand kein Bürgermeister an der Spitze, sondern ein Munizipal-Rat aus vier Personen: Christian Zezi, Joseph Metzger, Anton Scharl und Georg Hinterhuber. Nach dem Übergang Salzburgs an Österreich folgte von 1816 bis 1818 ein provisorischer Magistrat ohne Bürgermeister. Erst 1818 übernahm mit Anton von Heffter wieder ein Bürgermeister das Amt, das er bis 1831 ausübte.

Politisches Gewicht kam erst mit der Gemeindeautonomie in der Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Nach Erlassung des Gemeindestatuts wurde der ehemalige Tanzsaal des Rathauses durch eine Quermauer in Ratssaal und Vorsaal geteilt; 1870 fand dort die erste Gemeinderatssitzung im neuen Sitzungssaal statt. In diese Epoche fallen die längeren Amtszeiten von Heinrich Ritter von Mertens (1861 bis 1872), Rudolf Biebl (1875 bis 1885) und Franz Berger (1900 bis 1912). Die Bürgermeisterkette der Landeshauptstadt stifteten Ehrenbürger, Bürger und Gönner der Stadt im Jahr 1913.

1918 bis 1945

Max Ott amtierte in zwei Abschnitten, 1912 bis 1919 und 1927 bis 1935, dazwischen Josef Preis von 1919 bis 1927. Von 1935 bis 1938 war Richard Hildmann Bürgermeister.

Dann brach die Reihe. Für die Jahre 1938 bis 1945 führt das Stadtarchiv drei Amtsträger unter NS-Titeln: Anton Giger als "Oberbürgermeister der Gauhauptstadt Salzburg" (1938 bis 1945), Franz Lorenz als "Bürgermeister der Gauhauptstadt Salzburg" (1938 bis 1943 beziehungsweise 1945) und Harald Lettner als "Kommissarischer Bürgermeister der Gauhauptstadt Salzburg" (1943 bis 1945). Wie die Stadtverwaltung 1938 umgebaut wurde und was in den folgenden Jahren geschah, behandelt der Beitrag zu Salzburg im Zweiten Weltkrieg.

Die Zweite Republik, Amtszeit für Amtszeit

Am 5. Mai 1945 wurde Richard Hildmann (ÖVP) wieder eingesetzt, am 9. August 1945 Heinz Kraupner (SPÖ) als sein Stellvertreter. Nach der Nationalratswahl vom 25. November 1945 wurden die Gemeinderatsmandate berechnet - SPÖ 21, ÖVP 18, KPÖ 1 - und der neue Gemeinderat konstituierte sich am 15. April 1946. Die genauen Amtszeiten führt das Stadtarchiv in seiner Aufstellung der Mitglieder des Stadtratskollegiums seit 1945:

BürgermeisterParteiAmtszeit
Richard HildmannÖVP5.5.1945 bis 15.4.1946
Anton NeumayrSPÖ15.4.1946 bis 2.1.1952
Stanislaus PacherSPÖ2.1.1952 bis 18.11.1957
Alfred BäckSPÖ18.11.1957 bis 28.9.1970
Heinrich SalfenauerSPÖ28.9.1970 bis 12.9.1980
Josef ReschenSPÖ12.9.1980 bis 7.3.1990
Harald LettnerSPÖ7.3.1990 bis 25.11.1992
Josef DechantÖVP25.11.1992 bis 30.4.1999
Heinz SchadenSPÖ30.4.1999 bis 20.9.2017
Harald PreunerÖVP14.12.2017 bis 2024
Bernhard AuingerSPÖseit 2024

Die längste Amtszeit der Zweiten Republik hatte damit Heinz Schaden mit über 18 Jahren, gefolgt von Alfred Bäck mit knapp 13 Jahren. Der Amtssitz wanderte nebenbei aus: Bis 1947 blieb das Rathaus Sitz des Bürgermeisters, seither amtiert er im Schloss Mirabell. Die Rathausgeschichte hat das Stadtarchiv aufgearbeitet; seit dem Umbau 2012 ist das Haus wieder ein multifunktionaler öffentlicher Ort, in dem der Gemeinderat tagt.

Seit 1999 wird direkt gewählt

Mit der konstituierenden Sitzung vom 30. April 1999 begann die Reihe der direkt gewählten Bürgermeister. Ein Blick auf die Stellvertreterposten zeigt, wie sich die Zusammensetzung verschoben hat: 1999 stellten ÖVP und FPÖ die beiden Vizebürgermeister, 2004 SPÖ und ÖVP, ab 2014 saßen mit der Bürgerliste und den NEOS erstmals andere Kräfte im Stadtratskollegium.

Der Wechsel 2017 lief über zwei Termine: Heinz Schadens Amtszeit endete am 20. September 2017, sein bisheriger Stellvertreter Harald Preuner (ÖVP) übernahm am 14. Dezember 2017 das Amt, Bernhard Auinger (SPÖ) rückte am selben Tag als Vizebürgermeister nach. 2019 wurde Preuner in der konstituierenden Sitzung vom 8. Mai bestätigt.

Die Wahl 2024

Am 24. März 2024, dem Palmsonntag, entschied eine Stichwahl das Amt. Bernhard Auinger (SPÖ) erhielt inklusive Wahlkarten 32.299 Stimmen (62,47 Prozent), Kay-Michael Dankl (KPÖ plus) 19.401 Stimmen (37,53 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag bei 46,78 Prozent und damit um drei Prozentpunkte über der von 2019.

Im Gemeinderat ergab die Wahl folgende Verteilung: SPÖ 11, KPÖ 10, ÖVP 8, Bürgerliste 5, FPÖ 4, NEOS 1, SALZ 1. Angelobt wurde der neue Gemeinderat am 8. Mai 2024; das Ergebnis dokumentiert die Aussendung der Stadt Salzburg.

Das Stadtratskollegium besteht seither aus Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ), den Bürgermeister-Stellvertretern Kay-Michael Dankl und Christoph Bernd Brandstätter sowie den Stadträtinnen Andrea Brandner und Anna Schiester. Die aktuelle Besetzung samt Zuständigkeiten führt die Stadt in ihrem Organisationsverzeichnis.

Stand August 2026. Amtszeiten und Namen nach der Bürgermeisterliste des Stadtarchivs Salzburg sowie nach der Aufstellung "Mitglieder des Stadtratskollegiums seit 1945" (Stand 8. Mai 2019); Angaben zum Rathaus nach dem Stadtarchiv, Wahlergebnis 2024 und aktuelle Besetzung nach der Stadt Salzburg. Die Zusammensetzung des Stadtratskollegiums kann sich innerhalb einer Funktionsperiode ändern.

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