Georg Trakl
Acht Jahre Gymnasium ohne Abschluss, drei Jahre Apothekenpraktikum in der Linzergasse, 65 Gedichte in einer Innsbrucker Zeitschrift und ein Tod mit 27 Jahren im Garnisonsspital Krakau. Elf Gedichttafeln in der Stadt markieren, wo seine Bilder herkommen.
Waagplatz 1a, fünftes von sieben Kindern
Georg Trakl wurde am 3. Februar 1887 in Salzburg geboren, als fünftes von sieben Kindern des Eisenhändlers Tobias Trakl (1827 bis 1910), der aus Ödenburg im heutigen Ungarn stammte, und seiner Frau Maria Catharina, geborene Halik (1852 bis 1925). Die Eltern waren 1879 aus Wiener Neustadt zugezogen; der Vater war wohlhabend, und das Haus am Waagplatz war ein bürgerliches.
Erzogen wurden die Kinder vor allem von einer katholischen Gouvernante aus dem Elsass, die ihnen Französisch und französische Literatur beibrachte - eine Prägung, die man Trakls späteren Gedichten anmerkt, in denen der Einfluss von Arthur Rimbaud und Charles Baudelaire durchschlägt. Dazu kamen Klavierunterricht und Theaterbesuche. Diese und die folgenden Lebensdaten stehen im Eintrag des Österreichischen Biographischen Lexikons der Akademie der Wissenschaften.
Acht Jahre Gymnasium, kein Abschluss
Von 1897 bis 1905 besuchte Trakl das Gymnasium in der Altstadt. Er wiederholte die vierte Klasse und reagierte darauf mit Gleichgültigkeit gegenüber der Schule; stattdessen las er Nietzsche und schrieb Gedichte, deren Inhalt teilweise als Provokation gemeint war. Als er auch die siebte Klasse wiederholen sollte, brach er ab und entschied sich für den Apothekerberuf.
Der Ort, an dem er als Schüler jahrelang ein- und ausging, ist der Arkadengang der Alten Universität. Dort, im Wilhelm-Furtwängler-Garten, wurde am 4. April 2025 die jüngste der Salzburger Trakl-Gedichttafeln enthüllt, mit dem Gedicht "Kleines Konzert".
Die Apotheke in der Linzergasse
Nach der siebten Klasse begann Trakl 1905 ein dreijähriges Praktikum in der Apotheke Zum weißen Engel in der Linzergasse, Voraussetzung für das spätere Pharmaziestudium. Es dauerte bis 1908. Das Haus, in dem die Apotheke damals lag, stand neben der heutigen Engel-Apotheke in der Linzergasse 5; dort erinnert das Gedicht "Im Dunkel" daran. Nach dem Studium arbeitete er noch einmal zwei Monate an derselben Stelle.
Die Apotheke war für Trakls Leben in zweifacher Hinsicht entscheidend. Sie gab ihm einen Beruf - und einen erleichterten Zugang zu Veronal, Opium und später Kokain. Dem Thema war er schon zuvor begegnet, in der Familie wie in der Literatur; seine Mutter nahm Opium.
1906, mitten im Praktikum, kam der einzige Versuch, als Dramatiker Fuß zu fassen. Gustav Streicher vermittelte die Aufführung der beiden Einakter "Totentag" und "Fata Morgana" am Salzburger Stadttheater. Der Misserfolg von "Fata Morgana" traf ihn so, dass er sämtliche Textbücher vernichtete. Im selben Jahr erschienen seine ersten Prosatexte - "Traumland. Eine Episode" und "Barrabas. Eine Phantasie" - sowie der dramatische Dialog "Maria Magdalena" im Salzburger Volksblatt.
Elf Orte in der Stadt
Seit 1985 werden in Salzburg Tafeln mit Trakl-Gedichten an Orten angebracht, die in seinen Texten vorkommen oder biografisch von Bedeutung sind. Es sind mittlerweile elf, und zusammen ergeben sie eine ziemlich genaue Karte seines Bewegungsradius.
- Geburtshaus, Waagplatz 1a - im Hof eine Bronzetafel mit "Die schöne Stadt". Verarbeitet sind darin Eindrücke aus dem Fenster seines Kabinetts in der Wohnung am Mozartplatz; geschrieben hat er das Gedicht allerdings in Wien.
- Petersfriedhof - der Ort taucht in "Sebastian im Traum", in der Prosadichtung "Traum und Umnachtung" und im Gedicht "St.-Peters-Friedhof" auf, das beim bergseitigen Eingang nahe dem Festungsaufzug angebracht ist. Was es dort sonst zu sehen gibt, steht im Beitrag zur Stiftskirche St. Peter.
- Mönchsberg - an der Bastei oberhalb des Stifts St. Peter, erreichbar über die Toscanini-Stiege, hängt "Am Mönchsberg". Hierher zog er sich vor Familie und Schule zurück; hinauf kommt man auch mit dem Mönchsberg-Aufzug.
- Engel-Apotheke, Linzergasse 5 - "Im Dunkel".
- Mirabellgarten, östliche Gartenmauer - "Musik im Mirabell". Seine Schwester Hermine wohnte nach ihrer Heirat 1909 mehrere Jahre im Schloss Mirabell.
- Evangelische Christuskirche, Schwarzstraße 25 - hier wurden Trakl und seine Geschwister konfirmiert, im Pfarrhaus nebenan hatte er zweimal wöchentlich Religionsunterricht. Neben dem nördlichen Seiteneingang steht "Ein Winterabend".
- Eisenbahnbrücke - vor dem Fernheizwerk hängt "Vorstadt im Föhn". An dieser Stelle stand damals der städtische Schlachthof, dessen Umgebung in das Gedicht einging. Weil Trakl gern die Salzach entlangging, ist die letzte Fußgängerbrücke salzachabwärts nach ihm benannt: der Trakl-Steg.
- Hellbrunner Park - "Die drei Teiche in Hellbrunn" in der zweiten Fassung am Oktogon. Trakl hielt sich hier besonders gern auf, manchmal über Nacht; zur Anlage selbst siehe Schloss Hellbrunn.
- Anif, Anifer Straße 10 - am Pavillon neben der Gemeindebibliothek, knapp außerhalb der Stadtgrenze, hängt "Anif".
- Heckentheater im Mirabellgarten - "Naturtheater", enthüllt am 3. November 2017.
- Wilhelm-Furtwängler-Garten - "Kleines Konzert", enthüllt am 4. April 2025.
Die Liste samt Erläuterungen und einem Flyer für den Weg führt die Georg Trakl Forschungs- und Gedenkstätte.
Wien, Innsbruck und Ludwig von Ficker
Von 1908 bis 1910 studierte Trakl Pharmazie in Wien und empfand die Großstadt als bedrohlich. Zur selben Zeit begann seine Schwester Grete (1892 geboren) eine Ausbildung am Konservatorium; das enge Verhältnis zu ihr schlägt sich in den inzestuösen Bildern mancher seiner Gedichte nieder. Sein Schulfreund Erhard Buschbeck versuchte, seine Gedichte unterzubringen, und machte ihn mit Adolf Loos, Arnold Schönberg und Oskar Kokoschka bekannt. Der Tod des Vaters 1910 verschlechterte die materielle Lage der Familie; Geldsorgen begleiteten ihn von da an.
1911 leistete er in Wien das Einjährig-Freiwilligen-Jahr, arbeitete danach kurz wieder in der Engel-Apotheke und traf sich mit der Salzburger Literatur- und Kunstgesellschaft Pan. Über Buschbeck kam der Kontakt zu Ludwig von Ficker zustande, dem Gründer und Herausgeber der Innsbrucker Halbmonatsschrift "Der Brenner". Im ersten Mai-Heft 1912 erschien dort "Vorstadt im Föhn" - das erste von insgesamt 65 Gedichten. Ficker wurde sein wichtigster Förderer.
Die Stelle in der Innsbrucker Garnisonsapotheke, die er 1912 angetreten hatte, gab er wieder auf. 1913 bewarb er sich mehrfach um einen Posten im Staatsdienst in Wien und hielt es dort jeweils nur wenige Tage aus. Im selben Jahr erschien sein erster Gedichtband "Gedichte" im Kurt Wolff Verlag in Leipzig, und Ende 1913 hielt er in Innsbruck seine einzige öffentliche Lesung. Am zweiten Band, "Sebastian im Traum", arbeitete er bereits; er erschien erst posthum 1915.
Grodek
Im März 1914 besuchte Trakl seine Schwester in Berlin, die nach einer Fehlgeburt erkrankt war, und kehrte völlig verstört nach Innsbruck zurück. Er plante, als Apotheker nach Borneo oder Albanien zu gehen. Eine großzügige Spende Ludwig Wittgensteins konnte er wegen des Kriegsausbruchs nicht mehr nutzen.
Er meldete sich zum Militär und rückte Ende August 1914 als Medikamentenakzessist mit einer Sanitätskolonne an die Ostfront ein. In der Schlacht von Gródek hatte er ohne ärztliche Hilfe rund 90 Schwerverwundete zu versorgen. Nach einer Selbstmorddrohung wurde er in das Garnisonsspital nach Krakau eingeliefert, auf die psychiatrische Abteilung. Dort schrieb er im September 1914 das Gedicht "Grodek".
Ficker versuchte vergeblich, seine Entlassung zu erreichen. Daraufhin schrieb Trakl ein brieflich abgefasstes Testament und legte ihm seine letzten Gedichte bei: "Klage" und "Grodek". Am 3. November 1914 starb er an einer Kokainvergiftung, im Alter von 27 Jahren. Zwei Tage später wurde er in Krakau beigesetzt; 1925 veranlasste Ficker die Überführung nach Innsbruck-Mühlau, wo das Grab bis heute liegt.
Was von ihm in Salzburg liegt
Das Geburtshaus am Waagplatz erwarb das Land Salzburg Anfang der 1970er Jahre, um Vereinen und kulturellen Einrichtungen Räume zu geben. Seit 1973 gibt es dort einen Kunstraum, die Galerie im Traklhaus; seit Mitte der 1980er Jahre programmiert sie die Kulturabteilung des Landes, die pro Jahr höchstens fünf Ausstellungen zeigt. Im selben Haus sitzen außerdem die Salzburger Kulturvereinigung, der Salzburger Stadtverein und die Grafische Werkstatt. Die Aufteilung erklärt das Traklhaus selbst.
Die Georg Trakl Forschungs- und Gedenkstätte liegt in der Geburtswohnung im ersten Stock und wird von der Salzburger Kulturvereinigung geführt. Gezeigt werden unter anderem Gedichtmanuskripte, Briefe, ein Selbstporträt, seine Taschenuhr und sein Lesesessel. Zum Haus gehört das Georg Trakl Archiv mit wissenschaftlicher Präsenzbibliothek: historische und aktuelle Ausgaben, internationale Forschungsliteratur, Übersetzungen in zahlreiche Sprachen und eine Sammlung von Autographen - darunter Briefe an Erhard Buschbeck und das spät entdeckte Gedicht "Hölderlin". Die Bestände sind im Katalog der Universitätsbibliothek Salzburg verzeichnet und nach Anmeldung vor Ort benutzbar; die Details stehen beim Archiv, Besuchszeiten und Eintritt im Überblick zur Literatur in Salzburg.
Der literarische Nachlass selbst liegt allerdings nicht in Salzburg, sondern in Innsbruck. Ein Teilnachlass ist als sogenannter Kryptonachlass in die Sammlung Ludwig von Fickers am Forschungsinstitut Brenner-Archiv der Universität Innsbruck eingegangen und dort vollständig digitalisiert und online zugänglich. Von dort stammt auch die historisch-kritische Innsbrucker Ausgabe der sämtlichen Werke und Briefwechsel, sechs Bände plus zwei Ergänzungsbände, erschienen zwischen 1995 und 2014. Den Bestand beschreibt das Brenner-Archiv.
Der Georg-Trakl-Preis für Lyrik schließlich wird nicht jährlich vergeben, sondern zu runden Geburts- und Todestagen. Er ist mit 10.000 Euro dotiert, die sich das Land Salzburg und das Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport zur Hälfte teilen. Zuletzt ging er am 12. November 2024 an Erwin Einzinger, überreicht im Rahmen der Landeskulturpreise in der Szene Salzburg; in der Jury saßen Maria Piok vom Brenner-Archiv, Jürgen Thaler vom Franz-Michael-Felder-Archiv in Bregenz und die Literaturkritikerin Brigitte Schwens-Harrant. Die Vergabe dokumentiert die Landeskorrespondenz des Landes Salzburg.
Stand August 2026. Lebensdaten, Familie, Ausbildung, Werkangaben und Todesumstände nach dem Österreichischen Biographischen Lexikon der Österreichischen Akademie der Wissenschaften; Gedichttafeln und Archivbestände nach der Georg Trakl Forschungs- und Gedenkstätte, Nachlassangaben nach dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv der Universität Innsbruck, Haus- und Preisangaben nach dem Land Salzburg.