SALZBURG JOURNAL

Der Salzburger Bauernherbst: Almabtriebe und Bräuche

Rund 69.000 Rinder verbringen den Sommer auf Salzburger Almen, und ab Mitte August kommen sie zurück ins Tal. Was hinter dem Aufkranzen der Kühe steckt, wo der Samson getragen wird und warum auf eine Wasserspiegelung geschossen wird.

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Der Salzburger Bauernherbst: Almabtriebe und Bräuche

Die fünfte Jahreszeit

Zwischen Sommer und Winter schiebt das Land Salzburg seit 1996 eine eigene Saison ein. Der Bauernherbst läuft jedes Jahr von Mitte August bis Ende Oktober; 2026 ist es die 31. Ausgabe, an der sich 77 Orte mit rund 2.000 Veranstaltungen beteiligen. Das Motto lautet in den Jahren 2025 und 2026 „G'sungen und G'spielt", 2026 stehen Stuben- und Familienmusik sowie kleine Volksmusikgruppen im Vordergrund.

Erkennbar sind die teilnehmenden Orte an geschmückten Ortstafeln, dem Bauernherbst-Baum und den Heufiguren an den Ortseinfahrten. Getragen wird die Reihe von der Landwirtschaft gemeinsam mit Vereinen, Wirtschaft und Tourismus; als Partner nennt der Veranstalter die Stiegl Brauerei, den Raiffeisenverband Salzburg, SalzburgMilch und Gössl Trachten. Zum 30-Jahr-Jubiläum wurde eigens eine Bauernherbst-Polka in Auftrag gegeben, „Auf zum Bauernherbst!", komponiert von Christian Hemetsberger aus Köstendorf im Salzburger Seenland.

Eröffnung 2026 in Maria Alm

Jedes Jahr eröffnet einer der über 70 Orte den Bauernherbst landesweit. 2026 fällt die Wahl auf Maria Alm in der Region Hochkönig, am Samstag, 22. August.

Der Festtag beginnt um 11 Uhr mit einem großen Umzug durch den Ort, mit örtlichen Vereinen, Musikkapellen, geschmückten Wagen und Oldtimertraktoren. Dazu kommen Vorführungen der Schnalzer, ein Kinderprogramm, Handwerksvorführungen mit Verkaufsständen, regionale Küche und am Abend ein Programm im Festzelt, musikalisch umrahmt von Gesangs- und Musikgruppen, Chören und Alphornbläsern. Die Details stehen bei der Bauernherbst-Eröffnung 2026.

Almabtriebe: die Zahlen hinter dem Brauch

Der Almabtrieb ist der bekannteste Teil des Bauernherbsts und zugleich der, bei dem die wenigsten wissen, worum es eigentlich geht.

Die Größenordnung zuerst: Nach Angaben des Veranstalters verbringen rund 60.000 Jungrinder und 9.200 Milchkühe den Sommer auf Salzburger Almen, dazu Schafe, Ziegen, Pferde und Ponys - zusammen also knapp 70.000 Rinder allein. Im Gasteinertal kommen beim Schafabtrieb 1.500 Schafe und Lämmer ins Tal.

Entscheidend ist eine Bedingung, die kein Programmheft groß herausstellt: Aufgekranzt - also geschmückt - werden die Tiere nur dann, wenn der Almsommer ohne Schicksalsschlag verlaufen ist. Ist ein Tier zu Schaden gekommen, kommt die Herde ungeschmückt ins Tal. Der Kopfschmuck ist also keine Dekoration, sondern eine Aussage.

Vorbereitet wird er wochenlang: Sennerinnen und Bäuerinnen binden Blumen und Blüten von Wiesen, Feldern und Bauerngärten zu Kränzen und polieren die eigenen Almabtriebsglocken samt Lederriemen. Besonders aufwendig geschmückt ist die Leitkuh, die Kranzkuh, die die Herde anführt. Der Überlieferung nach soll das Glockengeläut böse Dämonen vertreiben, die es auf Höfe und Bauersleute abgesehen hatten.

Für Zuschauer eine praktische Warnung des Veranstalters: Der Tross marschiert erstaunlich zügig ins Tal, weil die Tiere das Tempo vorgeben und auf die saftigeren Talwiesen wollen. Wer am Weg auf ein gemütliches Vorbeiziehen wartet, verpasst es womöglich. Die Übersicht aller Termine steht bei den Almabtrieben im Bauernherbst.

Samsontragen: UNESCO-Kulturerbe aus dem Lungau

Den Riesen Samson gibt es nur im Salzburger Lungau und in der angrenzenden Steiermark. Die Figur ist fünf bis acht Meter hoch und wiegt bis zu 80 Kilogramm; getragen wird sie über ein Gerüst im Inneren der Konstruktion aus Holz und Leichtmetall. Bei Umzügen schreitet Samson mit langen schwarzen Haaren, Rüstung und Helm durch die Straßen, begleitet von seinen Zwergen und der örtlichen Trachtenmusikkapelle - die auch den Takt vorgibt, wenn der Riese tanzt.

Ursprünglich ist Samson eine biblische Figur aus dem Alten Testament. Im Lungau ist er seit 1635 dokumentarisch belegt, seit 2010 zählt das Samsontragen zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe. Mehr zur Region steht im Beitrag zum Lungau.

Schnalzen: 120 Dezibel

Bei Umzügen und Erntedankfesten gehören die Schnalzer meist dazu, und man hört sie, bevor man sie sieht. Die Peitschen sind bis zu 2,80 Meter lang und erreichen nach Angaben des Veranstalters 120 Dezibel. Gefragt sind dabei nicht nur Kraft, sondern Takt- und Rhythmusgefühl. In manchen Gemeinden gibt es berittene Schnalzer - die Kaltblüter lässt der Lärm kalt.

Wer mit kleinen Kindern zu einem Umzug geht, sollte den Pegel einkalkulieren. 120 Dezibel liegen im Bereich, in dem Gehörschutz sinnvoll ist.

Liachtbratlmontag: warum es Braten gibt

Ein Brauch, dessen Name die ganze Geschichte enthält. Im Sommer konnte in bäuerlichen Werkstätten ohne Lichtquelle oder gleich im Freien gearbeitet und damit Geld gespart werden. Am Liachtbratlmontag wurde zum ersten Mal wieder Licht angezündet - und von dem Ersparten lud der Meister seine Gesellen zum Bratenessen ein.

Der Termin ist festgelegt: der erste Montag nach Michaeli, also nach dem 29. September. Im Bauernherbst laden Hüttenwirte und Gastronomen an diesem Tag zum Bratlessen.

Preberseeschießen: auf die Spiegelung zielen

Der ungewöhnlichste Termin im Kalender liegt im Lungau. Der Prebersee auf 1.514 Metern, im Schatten des 2.740 Meter hohen Preber - dem Hausberg von Tamsweg -, ist einmal im Jahr Schauplatz des Preberseeschießens, traditionsgemäß am dritten Augustwochenende.

Geschossen wird seit 1834, und zwar nicht auf die Zielscheiben am gegenüberliegenden Ufer, sondern auf deren Spiegelung im Wasser. Möglich macht das die hohe Dichte des Sees durch die vielen organischen Substanzen: Die Kugel versinkt nicht, sondern prallt an der Wasseroberfläche ab und wird reflektiert. Ausgetragen wird der Bewerb von der Schützengemeinde Tamsweg/Prebersee. Walt Disney ließ sich das Schauspiel 1957 persönlich zeigen.

Erntedank und Handwerk

Das Erntedankfest war ursprünglich ein rein kirchliches Fest. Geblieben ist der Kirchgang als wichtiger Teil: Aus Getreideähren kunstvoll geflochtene Erntekronen werden gemeinsam mit Feld- und Gartenfrüchten in der Ernteprozession zur Kirche getragen und dort gesegnet. Danach wird gefeiert.

Auf vielen Festen können Besucher selbst mitmachen: Sensenmähen, Korbbinden oder Schindlmachen stehen zum Ausprobieren bereit, dazu werden Heufiguren gebunden. Eine Übersicht der Bräuche steht bei den sechs Bräuchen im Bauernherbst.

Was auf den Tisch kommt

Die Bauernherbst-Wirte servieren Regionalspezialitäten, die außerhalb dieser Wochen selten auf Speisekarten stehen. Der Veranstalter nennt unter anderem Lungauer Eachtling - die Kartoffel aus dem Lungau -, Fuschlsee-Forellen, Pinzgauer Schottnockn, Hasenöhrl und Apfelradl.

An den Ständen der Bauernmärkte gibt es Käse aus der Almmilch, Speck und Würste aus der Selchkammer, Bauernbrot, frisch geerntetes Obst und Selbstgebranntes. Wer den See zur Forelle sucht: Der Fuschlsee liegt 23 Kilometer von der Stadt entfernt, Näheres steht bei den Badeseen im Salzburger Land.

Wie Sie hinkommen

Die 77 Bauernherbst-Orte verteilen sich über alle fünf Gaue, die Entfernungen ab der Stadt gehen entsprechend weit auseinander. Maria Alm liegt im Pinzgau, der Lungau mit Samson und Prebersee mehr als 115 Kilometer entfernt, die Orte im Flachgau dagegen unter einer halben Stunde.

Eine Einordnung der Fahrzeiten und Buslinien für alle Landesteile steht bei den Ausflugszielen im Salzburger Land; wie Sie überhaupt ins Land kommen, bei der Anreise nach Salzburg. Für den Lungau gilt die Buslinie 270 Salzburg - Eben im Pongau - Tamsweg, für den Pinzgau die Linie 260 oder die Bahn über Schwarzach-St. Veit. Wer im Herbst ohnehin in die Berge fährt, findet passende Touren beim Wandern im Salzburger Land - mehrere davon enden an einer Alm.

Stand August 2026. Angaben zu Terminen, Teilnehmerzahlen, Bräuchen und Tierzahlen nach SalzburgerLand Tourismus. Programme und Almabtriebstermine hängen vom Wetter und vom Verlauf des Almsommers ab - vor der Fahrt gegenprüfen.

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