Museum der Moderne: Zwei Häuser, 55.000 Werke
Der Neubau am Mönchsberg und das frühbarocke Rupertinum in der Altstadt gehören zusammen - ein Ticket gilt für beide. Begonnen hat alles 1983 mit einer Schenkung moderner Druckgrafik.
Ein Museum an zwei Adressen
Das Museum der Moderne Salzburg ist kein Haus, sondern zwei: der Neubau oben am Mönchsberg, Mönchsberg 32, und das Rupertinum unten in der Altstadt, Wiener-Philharmoniker-Gasse 9. Zwischen beiden liegen 60 Höhenmeter und ein Fußweg von einer knappen Viertelstunde. Ein Museumsticket gilt sieben Tage ab Kaufdatum und deckt beide Standorte ab.
Die Trennung ist keine Verlegenheitslösung, sondern das Ergebnis von zwei Jahrzehnten Institutionsgeschichte. Das Rupertinum war zuerst da, der Mönchsberg kam 21 Jahre später dazu - und beide Gebäude erzählen völlig unterschiedliche Geschichten.
1983: Eine Schenkung wird zum Museum
Den Anfang machte die "Schenkung Welz", eine Sammlung moderner Druckgrafik des Salzburger Galeristen Friedrich Welz. Auf dieser Grundlage eröffnete 1983 im frühbarocken Palais des ehemaligen Priesterseminars die "Moderne Galerie und Graphische Sammlung - Rupertinum".
Gründungsdirektor war Otto Breicha, der das Haus bis 1998 leitete. Er erweiterte die Sammlung gezielt um österreichische Fotografie - jener Bestand, der bis heute als "österreichische Fotogalerie" firmiert und in dem auch Werke des Bundes verwaltet werden. Unter Peter Weiermair (1998 bis 2001) wurde das Programm internationaler.
In den 1990er-Jahren gab es dann die spektakuläre Idee, ein Guggenheim Museum in den Fels des Mönchsbergs zu bauen. Realisiert wurde sie nicht. Stattdessen entstand oben, wo zuvor das Café Winkler stand, ein Neubau. 1998 entschied ein internationaler Architekturwettbewerb, 2004 eröffnete das Haus unter Direktorin Agnes Husslein (2000 bis 2005). Die Bauzeit betrug dreieinhalb Jahre.
Was danach kam, steht in der Chronik des Hauses: Unter Toni Stooss (2005 bis 2013) wurde ein Gemälde von Gustav Klimt an die Familie der rechtmäßigen Eigentümerin restituiert. Georges Jorisch (1928 Wien bis 2012 Quebec) spendete einen Teil des Verkaufserlöses - damit wurde der ehemalige Wasserturm am Mönchsberg ausgebaut. Er trägt seit 2014 den Namen Amalie-Redlich-Turm, nach Jorischs Großmutter, und beherbergt heute die Kunstvermittlung samt einer Studiowohnung für Künstlerinnen und Künstler.
Sabine Breitwieser (2013 bis 2018) holte 2014 die Sammlung der Generali Foundation ans Haus, ließ 2016 das Rupertinum teilrenovieren und 2017 ein neues Kunstdepot errichten. Thorsten Sadowsky (2018 bis 2022) positionierte das Museum als Kompetenzzentrum für Kunst, Fotografie und visuelle Kulturen und brachte die Gebäude auf internationale Barrierefreiheitsstandards. Seit 2023 leitet Harald Krejci das Museum.
Der Bau am Mönchsberg: Marmor nach Don Giovanni
Den Wettbewerb gewann das Münchner Büro Friedrich Hoff Zwink. Herausgekommen ist ein Block aus fein geädertem Untersberger Marmor mit senkrechten Fugen - Stein also, der aus der Region kommt, aus dem Berg südlich der Stadt.
Das interessanteste Detail sieht man erst, wenn man davorsteht und genau hinschaut: Die Lüftungsschlitze in der Fassade folgen den Notenwerten einzelner Arien aus Mozarts "Don Giovanni". Die Abstände sind also nicht dekorativ gesetzt, sondern übersetzt. Wer das weiß, liest die Wand anders.
Innen verteilen sich 2.300 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf drei Ebenen. Senkrechte Einschnitte führen Tageslicht bis in die Foyerzone auf der untersten Ebene - man orientiert sich im Haus am Licht, nicht an Beschilderung. Auf der zweiten Ausstellungsebene liegt das von Matteo Thun eingerichtete m32 mit Glasfassade und Terrasse; davor die Skulpturenterrasse mit dem Blick über die Altstadt.
Alle Angaben zum Gebäude stehen in der Standortbeschreibung des Museums. Wie Sie hinaufkommen - Aufzug, fünf Stiegen, Preise, Kombiticket - steht ausführlich beim Mönchsberg.
Das Rupertinum: Priesterseminar seit 1653
Das zweite Haus ist 350 Jahre älter. Fürsterzbischof Paris Lodron gründete 1653 das "Collegium Rupertinum", ein Konvikt und Seminar zur Priesterausbildung. Diese Funktion hatte das Gebäude bis 1974 - über 300 Jahre lang.
Nach dem Ankauf durch das Land baute der Salzburger Architekt Gerhard Garstenauer das Palais zum Museum um. Im Februar 1983 wurde eröffnet, mit wiederhergestellter Arkadenhalle im Erdgeschoß und einem überdachten Innenhof mit Glasoberlichten. An der Hoffassade hängen die keramischen "Zungenbärte" von Friedensreich Hundertwasser.
Danach wurde weitergebaut: 2016 überarbeiteten die Architekten Kuehn Malvezzi (Berlin und Mailand) Ausstellungsräume und Bibliothek, auf den Ebenen 2 und 3 entstand das Generali Foundation Studienzentrum mit der Franz-West-Lounge. Zwischen 2021 und 2022 kamen ein barrierefreier Eingang mit Rampe, ein neues Foyer, Kassenbereich, Garderobenschränke und ein erweiterter Shop dazu. Am 1. April 2022 eröffnete das Café 220GRAD RUPERTINUM. Und 2024 wurde die Sanierung des denkmalgeschützten Garstenauer-Dachs abgeschlossen. Details zum Haus stehen in der Beschreibung des Standorts Altstadt.
Die Sammlungen: 31.000 Blätter, 22.000 Fotografien
Das Museum verwaltet rund 55.000 Werke vom 19. Jahrhundert bis heute. Die Aufteilung nach eigenen Angaben:
| Bestand | Umfang |
|---|---|
| Arbeiten auf Papier | rund 31.000 |
| Fotografien | rund 22.000 |
| Gemälde | rund 800 |
| Skulpturen und Installationen | rund 700 |
| Film- und Videoarbeiten | rund 800 |
| Sammlung Generali Foundation (Dauerleihgabe) | rund 2.100 |
Das Schwergewicht liegt also eindeutig bei Papier und Fotografie - eine direkte Folge der Gründungsgeschichte. Der Grafikbestand geht auf die Welz-Schenkung zurück, der Fotobestand auf Breichas Ankaufspolitik.
Die Sammlung Fotografie und Medienkunst umfasst mehr als 20.000 inventarisierte Werke, davon rund 10.000 im Eigenbesitz und rund 12.000 aus der Fotosammlung des Bundes. Angekauft wurde ab 1981, also zwei Jahre vor der Eröffnung, mit Mitteln des Landes und des Bundes. Der Schwerpunkt liegt auf österreichischer Fotografie ab 1945; dazu kommen internationale Bestände, unter anderem japanische Fotografie. Seit Jänner 2024 betreut Katharina Ehrl die Sammlung.
Die Sammlung Generali Foundation kam 2014 als Dauerleihgabe. Ihre rund 2.100 Werke sind konzeptuell, medien- und performancebasiert und setzen bei den 1970er-Jahren an - ein Bereich, den das Haus vorher so nicht abgedeckt hatte. Zugänglich ist sie über das Studienzentrum im Rupertinum, das als Forschungs- und Lernraum öffentlich nutzbar ist.
Beim Ankauf richtet sich das Museum inzwischen erklärtermaßen auf zwei Ziele aus: mehr Künstlerinnen im Bestand und weniger eurozentrische Perspektive. Parallel läuft die Provenienzforschung - die Klimt-Restitution unter Stooss war der prominenteste, aber nicht der einzige Fall.
Was gerade läuft
Beide Häuser bespielen mehrere Ausstellungen parallel. Stand August 2026 sind angekündigt:
- Mönchsberg: "Charlotte Perriand. Moderne leben: Design, Fotografie, Architektur" bis 13. September 2026, "BASELITZ JETZT" bis 18. Oktober 2026, "Stano Filko. 12 Chakras of Becoming" bis 7. Februar 2027.
- Altstadt (Rupertinum): "BASELITZ MANIFESTE" bis 4. Oktober 2026, "GENERATOR #5: Georgia Gardner Gray. Steine" bis 4. Oktober 2026, die Lese- und Medienlounge bis 30. Mai 2027 sowie "Ernst Caramelle. Denkfiguren" im Generali Foundation Studienzentrum, ebenfalls bis 30. Mai 2027.
Baselitz läuft also zweigeteilt: die Malerei am Berg, die Manifeste unten in der Altstadt. Wer beides sehen will, braucht trotzdem nur ein Ticket - und hat mit der Sieben-Tage-Gültigkeit die Möglichkeit, die Häuser auf zwei Tage zu verteilen.
Zeiten, Zugang, Eintritt
Geöffnet ist an beiden Standorten Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Montag ist der Schließtag - mit einer wichtigen Ausnahme: An Feiertagen sowie während der Oster-, Pfingst- und Sommerfestspiele ist auch montags von 10 bis 18 Uhr offen. Wer im Festspielsommer da ist, kann also den Montag nutzen; wer im November kommt, nicht.
Der Eintritt liegt bei 15 Euro regulär, die vollständige Staffel samt Aufzug-Kombination steht beim Mönchsbergaufzug. Zwei Punkte lohnen aber die Erwähnung, weil sie leicht übersehen werden:
- Unter 19 Jahren ist der Eintritt frei, ganzjährig, an beiden Standorten, inklusive Fahrt mit dem Mönchsbergaufzug. Die Jugendoffensive startete 2023 als Pilotprojekt und läuft inzwischen im vierten Jahr, finanziert über einen Sponsor.
- Studierende im Seminar zahlen 3 Euro (mit Aufzug 5 Euro), Personen mit Behindertenpass haben freien Eintritt.
Frei ist der Eintritt außerdem mit der Salzburg Card, dem Kulturpass, der ICOM-Card und der Mitgliedschaft im Salzburger Museumsverein. Ermäßigt wird unter anderem mit den Jahreskarten von Lentos Linz, mumok, Kunsthalle Wien, Universalmuseum Joanneum, DomQuartier Salzburg und Salzburger Freilichtmuseum - für Menschen, die ohnehin österreichweit in Museen gehen, ist das der relevanteste Rabatt.
Hunde sind in beiden Häusern nicht erlaubt. Erreichbar ist das Museum unter +43 662 842220 und [email protected].
Barrierefrei mit einer Einschränkung
Beide Häuser sind mit Rollstuhl oder Gehhilfe erreichbar, in beiden führen Lifte auf alle Ausstellungsebenen, in beiden gibt es rollstuhlgerechte Toiletten. Ins Rupertinum kommt man seit dem Umbau über eine Rampe im Hof; der Wechsel zwischen Museum und dem Café 220GRAD ist außen über den Hof und innen über einen Treppenlift möglich.
Am Mönchsberg gilt eine Einschränkung, die man vor der Anreise kennen sollte: Barrierefrei ist der Weg über den Mönchsbergaufzug. Wer dagegen vom Berg oder von der Fahrstraße hinter dem Gebäude kommt, erreicht Museum und Gastronomie ohne fremde Hilfe nur während der Öffnungszeiten des m32 - über eine Rampe vom Vorplatz mit Not Vitals "Schlafendem Haus" entlang der Panoramaterrasse zur Skulpturenterrasse. Nahe der Bergstation gibt es zusätzlich eine öffentliche Behindertentoilette, erreichbar über einen Treppenlift.
Die Kunstvermittlung bietet ein eigenes Programm für Menschen mit Demenz und deren Begleitpersonen an; barrierefreie Führungen sind auf Anfrage unter [email protected] buchbar. Die vollständigen Angaben stehen in der Barrierefreiheits-Information des Hauses.
Stand August 2026. Alle Angaben nach den Seiten des Museums der Moderne Salzburg zu Geschichte, Standorten, Sammlungen und Öffnungszeiten. Laufzeiten von Ausstellungen ändern sich - vor der Anreise gegenprüfen.